Corona- nichts wird mehr sein, wie es war.

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Corona wird uns verändern, jeden Einzelnen und unsere Gesellschaft. Da bin ich sicher.

Es gibt plötzlich eine Solidaritätswelle, Menschen helfen sich gegenseitig, achten aufeinander, machen sich Mut. In Italien fangen die in ihren Wohnungen isolierten Menschen an, auf den Balkonen zu singen und miteinander zu musizieren. Sie gehen in Kontakt, winken sich zu, nehmen sich wieder wahr, ein neues Nachbarschaftsgefühl entsteht. Über Facebook und Youtube geben Menschen gerade Konzerte, sie lesen aus ihren eigenen Büchern oder Lieblingsbüchern, rezitieren Gedichte, geben Trommelunterricht. Über Twitter wird Nachbarschaftshilfe organisiert und Menschen, die ihre Einsamkeit äußern, wird von wildfremden Menschen angeboten, mit ihnen zu skypen.

Die Natur bekommt grad eine Pause und zeigt ihre Freude darüber. In Triest schwimmen Delfine nach Jahren wieder nah an die Stadt, weil keine Schiffe mehr da sind, und die Menschen jubeln darüber, freuen sich aus vollem Herzen. In den Kanälen von Venedig werden gerade tausende Fische geboren im plötzlich wieder klaren Wasser...… und ich bin mir sicher, da wird noch viel passieren die nächsten Wochen.

Wir erfahren gerade, wie unwichtig und dumm eigentlich dieser ganze Konsum ist, wie er uns von uns selbst und der Natur entfernt hat. Wir werden gerade reduziert auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben, auf die geliebten Menschen, auf das Miteinander, das Füreinander, das Zueinander. Auf das Eingebundensein und Getragenwerden in und von einer Gesellschaft. Und wir erkennen wieder unsere Stärken als Menschheit. Werte wie Solidarität werden gerade selbstverständlich von vielen gelebt und mit der Kraft von Kreativität schaffen wir Energie, um uns dieser großen Herausforderung zu stellen.

Ich sehe so viele Menschen, die eigentlich verzweifelt sein müssten, Unternehmer, denen grad der gesamt Jahresumsatz verloren geht etwa, deren wirtschaftliche Existenz im Moment zusammenbricht. Trotzdem erlebe ich hier Ruhe, so etwas wie Zuversicht. Und auch in mir, die ich eigentlich als Kleinunternehmerin im Kreis gehen müsste vor Sorgen, ist Heiterkeit, Kraft, Mut und eine große Portion Gelassenheit. Ja irgendwie sogar Freude, ob der plötzlichen Freizeit und Möglichkeit längere Zeit inne zu halten. Ich war auf alle Fälle noch selten in meinem Leben so sehr bei mir, wie jetzt.

Corona bringt das Leben irgendwie auf den Punkt.

Irgendwann, liebe Leute, in absehbarer Zeit, wird es heißen: Wir haben es geschafft, das Virus ist verdrängt. Und ihr werdet sehen, dann werden wir auf die Straßen laufen, uns umarmen, miteinander weinen, lachen und feiern.

Corona wird uns alle, jeden Einzelnen von uns, uns miteinander, verändern. Nach Corona ist nichts mehr wie es war. Da bin ich sicher.

Und meine Hoffnung ist groß, dass wir uns dann auch jenen Menschen gegenüber solidarisch zeigen, die uns schon seit Jahren um Hilfe anflehen: Menschen in Not, egal welcher Art von Not und woher sie kommen.

© Sonja Schiff