Vorbei

Augen öffnen. Klimaanlage hören. Dem Schnarchen der andern lauschen. Ich drehe mich in meinem kleinen Hostelbett und versuche niemanden zu wecken. Aber wieso eigentlich? Die anderen scheinen sich darum auch nicht zu kümmern. Egal, ich bin ein guter Mensch ich mach das so. Langsam stehe ich auf, suche meine Sachen zusammen und gehe Richtung Waschraum. Ich ziehe mich aus, steige in die Dusche und hoffe durch das kalte Wasser aufgeweckt zu werden. Ich schließe die Augen. Wie schnell die Zeit vergeht. Es kommt mir wie gestern vor, dass ich in Cebu gelandet bin und von den ganzen Eindrücken überfordert war, die diese Stadt lieferte. Die Menschen, die Kultur, die Natur.. ich werde das alles vermissen. Allerdings freue ich mich auch schon auf zuhause. Die Hunde-, Hühner-, Katzenparade die jede Nacht, egal wo man ist, stattfindet werde ich nicht missen. Das Essen, das hauptsächlich aus Huhn (das ja kein Fleisch ist - it's just chicken) und einem Verschnitt der amerikanischen Küche besteht, werde ich auch nicht vermissen. Allerdings die Suppen..die sind schon lecker. Uh und die Meeresfrüchte. Plötzlich kommt wer. Ich öffne die Augen wieder. Ich wasche schnell meine Haare und meinen Körper. Man ist das angenehm eine Duschbrause zu haben. In dem Haus, wo ich die letzten 4 Monate gelebt habe, gab es nur einen großen Eimer und einen Becher mit dem die Körperreinigung erfolgte. Fertig. Jetzt zieh ich mich schnell an und pack all meinen Kram zusammen. Schließlich muss ich noch frühstücken und mich auf den Weg zum Flughafen machen. Eventuell geht sich ja auch noch eine Massage aus? Mit gepacktem Rucksack habe ich beschlossen mir gleich ein Taxi zu holen und dann am Flughafen was zu essen. Denn bei dem Verkehr hier weiß man nie, wie lange man braucht. Das war die richtige Entscheidung. 1 1/2 h, statt 20 Minuten, später und am Ende mit meinen Nerven komme ich am Terminal an. Philippinos und Philippinas sind einfach die nettesten und geduldigsten Menschen der Welt. Den Taxifahrer konnte nichts aus der Ruhe bringen und als ich vor lauter Stress meine Geldtasche liegen lasse, trägt er sie mir noch hinterher. Ich habe in den 5 Monaten, in denen ich dieses wunderschöne Land bereist habe, nie eine/n EinwohnerIn schlecht über eine andere Person reden hören. Grundsätzlich wurde nicht gesudert. So erster Flug startet. Auf nach Dubai. Alles gut gegangen jetzt ist warten angesagt. Schlafen auf einer Bank, herumspazieren, essen, trinken, und zack gehts auch schon weiter. Auf auf nach Wien. Alle reden Deutsch. Alle Schilder sind auf Deutsch. Schräg. Ich stell mich zum Gepäcksband, zu dem alle hinstürzen als ob es etwas gratis gibt. Ich steh weiter hinten und beobachte das Geschehen. Eine Frau gekleidet in ein Abaya mit Shayla versucht mit ihrem Kind in die erste Reihe zu gelangen, um ihren Koffer zu ergattern. Ein großer weißer Mann mit Sonnenbrand im Gesicht schaut voller Wut auf sie: "Scheiß Kopftuchträgerin, stell dich hinten an!" Schön wieder hier zu sein.

© Sonnenblume