Das Leben, eine Hitparade!

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Das Leben, eine Hitparade! | story.one

Meine Music-addicted Tochter liebt Retromusik über alles. Egal, ob Pop, Disco oder Hard- und Glamrock, sie hört sie tagein, tagaus, rauf und runter. Und für ihr Leben gerne wäre sie mit mir in den 80ern aufgewachsen, um ihre Lieblingsbands und favorite Singers live und on stage hätte erleben können (ich hoffe, sie liest diese Zeilen nie). Aber zurück ins Damals!

In der Volksschule spielte Musik bzw. ein spezielles Musikgenre überhaupt noch keine Rolle für mich. Meine Eltern hörten manchmal Schlager und Udo Jürgens. Im Fernseher liefen Samstagabend tolle Musikshows, wie „Musik ist Trumpf“, die mir sehr gefielen, aber das war’s auch schon. Spielen und vor allem Fernsehen hatten größere Priorität!

Das änderte sich schlagartig, als ich ins Gymnasium, Klasse 1 D, kam und langsam in die Pubertät. Die ganze Klasse war riesengroßer Beatles-Fan und auch Austropop hörten wir aus einem kleinen, wackeligen Transistorradio in jeder Pause. Jahre später ging für uns die Welt unter, als wir vom gewaltsamen Tod John Lennons am 8. Dezember 1980 erfuhren. Gespenstisch die Stille in der Klasse, Unverständnis von den Lehrern. Wir wollten über das unfassbare Drama reden und die über Sinus-Cosinus-Funktionen und den Aufbau der Desoxyribonukleinsäure. Wie absurd?!

Zum Musikhören hatte ich entweder den altmodischen Plattenspieler meiner Eltern oder bevorzugt einen Radio samt Kassettenrecorder. Dazu ein Überspielkabel und den Finger stets bereit auf der Aufnahmetaste. Denn jeder in meiner Generation hat sich seine Kassetten selbst aufgenommen. So saß ich ab sofort jeden Sonntagabend, zwei Stunden lang, und hörte die Ö3-Hitparade mit Udo Huber. Die beliebtesten Songs der österreichischen Charts unter 65-67-31. Von A-Z: Ambros, Cornelius, Danzer, EAV, Fendrich, Opus, STS, Werger, später „Neue Deutsche Welle“ und dann natürlich Falco. Und immer dieses Dilemma, dass man beim Aufnehmen den exakten Anfang und das richtige Ende des Songs, ohne das Gequatsche des Moderators, hinbekam. Und so stellte ich mir unzählige Kassetten zusammen, die je nach Laune und Befindlichkeit rauf und runtergespielt wurden, bis zum unausweichlichen Bandsalat.

Parallel mit dem Musikgeschmack änderte sich auch mein Geschmack für Mode- und Haarstyling und die Sprache passte sich zusehends den Chartstürmern an. Man wollte ja so aussehen wie die gefeierten Popstars, die als lebensgroße Poster im Kinderzimmer hingen. Englisch fand ich plötzlich interessant, also „ur cool“, wollte ich doch verstehen, was ich da so mitgrölte. Discobesuche blieben mir zwar noch verwehrt, musikalisches und persönliches Highlight im Jahr 1983 war definitiv das Open-Air-Konzert von Super Tramp zu Schulende im Wiener Happel-Stadion.

Ehrlich gesagt, bis heute höre ich gerne Musik aus meiner Jugendzeit, und des Öfteren singe ich begeistert mit meinem Kind die Songs von damals im Duett. Udo Huber höre ich jetzt manchmal auf Radio Wien und er klingt übrigens wie damals.

© StAdler 13.05.2020