Es lebe der Sport!

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Es lebe der Sport! | story.one

Nicht, dass ich viel mit dem etwas ältlich, dicklichen und Zigarre rauchenden Briten gemein hätte, aber sein legendärer und vielfach zitierter Spruch „No Sports“ galt auch für mich! Zumindest bis vor kurzem! Seit der CoV-Krise ist alles anders und das kam so …

Ich weiß nicht, wie viele Sportarten und verschiedene Körperertüchtigungen ich schon in meinem Erwachsenen Leben getestet und geschnuppert habe – ehrlich, ich bin mit keiner richtig warm geworden. Egal, ob Tennis, Squash (kann sich noch jemand daran erinnern, gibt es das noch?!), Badminton, Aerobic früher oder Zumba heute – es matched einfach nicht. Joggen ist was für Disziplinierte – also nichts für mich – und sogar beim Radfahren überholt mich jeder 80-jährige Opa in knallengen Radlerhosen oder jeder 5-Jährige. Beim Yoga früher fand ich nur den Yoga-Lehrer hot und beim Jazz-Dance verwechsle ich ständig die Arm- und Beinkoordination und sehe aus wie ein aufgeschreckter Vierfüßler. Fitnessangebote, wie Mrs. Sporty oder Kieser Training ebenfalls probiert und schnell wieder abgehackt.

Vor fünf Jahren dann die Erlösung. Ich fand ein kleines, aber feines Pilates-Studio ganz nahe, im gleichen Bezirk gelegen. Seither pilgere ich jeden Freitagvormittag dorthin, um mit der Trainerin M. und meinen inzwischen liebgewonnenen Leidensgenossinnen zu stretchen, zu dehnen, zu verrenken und anschließend Gossip auszutauschen. Diese eine Stunde pro Woche ist mir heilig. Sie ist nicht nur eine willkommene sportliche Abwechslung, sondern auch eine kleine Auszeit vom hektischen Alltag. Wie ein Kurztrip für Körper und Seele. Nichts, wirklich nichts, kann mich von meinen Freitags-Leibesübungen abhalten. Bis CoV kam.

Der Schock saß tief, als ich erfuhr, dass meine Pilates-Matten-Stunden bis auf weiteres eingestellt werden. Bis Mitte April (oder länger – seufz) überhaupt keinen Sport machen zu können, erschreckte sogar mich als bekennende Bewegungsignorantin. Also funktionierte ich kurzerhand unser Fernsehzimmer um und richtete darin – mit meiner Tochter als Trainingspartnerin – ein Fitnessstudio ein. Die gesamte Ausrüstung – wie Matten, Gewichte, Bälle, Gymnastikband und Seilspringschnüre – gammelte seit Jahren in einer alten Kartonschachtel herum und wartete auf ihren Einsatz.

Ja, was soll ich sagen? Seitdem mache ich brav mein tägliches Workout und habe auch schon einige Choreographien bei „Just Dance“ erlernt. Von K-Pop über YMCA oder ABBA – ich habe inzwischen alle Tanzmoves drauf. Und ich muss zugeben, es tut gut und macht richtig viel Spaß. Doch damit nicht genug. Gestern habe ich meine erste Live-Online-Pilates-Stunde erlebt. Die PC-Einrichtung und Registrierung dafür dauerte zwar genauso lange wie die Stunde selbst, aber es hat sich ausgezahlt. Direkt von Zimmer zu Zimmer, von Matte zu Matte – für mich eine ganz neue Erfahrung! Als ich heute aufwachte, tat mir mein ganzer Körper weh. Kurze Schrecksekunde – CoV? Nein, nur ein gemeiner Muskelkater!

© StAdler