Das erste Mal - wie fange ich an?

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Lang lang ist's her, das erste Mal. Die Enttäuschung wird jetzt bei vielen schier unendliche Ausmaße annehmen - es geht "nur" um das erste Mal Couchsurfing (CS). Natürlich in Europa. In Osteuropa. Rumänien.

Die Vorfreude war natürlich riesig. Wie wird das sein? Klappt alles? Alles recht schwierig vorzustellen.

Mit CS kam ich erst in Berührung, als es mich beruflich nach Wien verschlagen hat. In ein kleines, verschlafenes, obersteirisches Dörfchen fernab der touristischen Hauptrouten verschlägt es ja recht selten einen Couchsurfer - dabei wär's schön! In unsrer Hauptstadt, mit kleiner Wohnung und einer weltoffenen Einstellung war das einfacher. Zuerst mal einige regelmäßige Couchsurfing Events besucht und fasziniert gewesen. Viele interessante Leute aus unterschiedlichsten Ländern getroffen. Dann war es einfach Zeit für das erste Mal. Das erste Mal selbst auf einer Couch zu surfen. Als Ziel wurde Rumänien auserkoren. Net weit und ein neues, wenig beachtetes Mitglied der EU.

Eine CS-Anfrage wurde von Mona positiv beantwortet. Sie hat Zeit und Platz.Die Woche drauf. Raus zum Flughafen, ab nach Bukarest. Das erste mal Glück gehabt! Islands Vulkan Eyjafjallajökull legte mit seiner Aschewolke den Flugverkehr lahm. Aber mein Flug ging noch! Angekommen an Monas Adresse am Stadtrand von Bukarest, läutete ich recht nervös an der Tür. Eine ältere Dame öffnete. War ich falsch? Nein, es war ihre Mutter. Schon kam Mona um die Ecke - "I expected you next weekend!?!".

Nochmal die Nachrichten gecheckt. Da hatte sie wohl was durcheinander gebracht. Sie hatte aufgrund von Arbeit wenig Zeit am Wochenende. Aber es wurde sofort improvisiert. Freunde aktiviert, die mir die Stadt gezeigt haben - auch die nicht so touristischen Eckerl. Gemeinsames Einkaufen am Markt mit anschließendem Kochen. Eine Mordsgaudi! Dann die Nachrichten: Flughafen Bukarest gesperrt. Chaos. Auch Busse und Züge waren im Nu ausgebucht. Aber kein Problem für meine Gastgeber! "Dann bleibst halt einfach länger bei uns!". Aus geplanten zwei Nächten wurden vier. Obwohl ich alles andere als religös bin, habe ich mit der Familie den sonntäglichen Gottesdienst besucht. Das war hart! Ich hab ja nicht gewusst, dass man dabei mehrere Stunden in der Kirche steht! Vom rumänischen hab ich ja nicht viel verstanden. Ein paar Brocken, durch meinen früheren Lateinunterricht. Aber es war trotzdem spannend. Eigentlich alles. Das Leben und die Kultur in einem fremden Land zu erLEBEN und nicht nur Touri-Hotspots abzuklappern. Anstatt Hotelzimmer im Zentrum, in einem einfachen, kleinen Häuschen am Stadtrand auf einer Couch, bis es - gefühlt zu früh - zurück nach Wien ging.

Ein ereignisreiches erstes Mal, wie ich es mir natürlich nicht vorgestellt hätte. Dabei blieb es nicht. In Folgejahren habe ich 40 Couchsurfer aus 20 Ländern auf meiner Couch in Wien begrüßt und durfte selbst quer durch Europa und darüber hinaus Gast sein.

Cool! Schön! Unvergesslich! #europelove

© Stefan Perner