Die Berge Kabardino-Balkariens

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Die Berge Kabardino-Balkariens | story.one

Dieses mal sollte es ein besonderes Bergerlebnis werden. Mal was anderes. Nicht, dass unsere Alpen nicht schön wären! Sie bieten schier unendliche Möglichkeiten. Kristallklare Flüsse und Seen. Malerische Plätze. Erwischt man das perfekte Wetter und startet früh, dann kann es oft sogar kitschig werden. Doch wir wollten nun auch mal höher hinaus.

Das Ziel waren die Berge Kabardino-Balkariens.

Auf den ersten Blick nicht gerade bekannt. Die Region liegt abgelegen im westlichen Teil des Nordkaukasus. Zumindest der höchste Gipfel ist den versierten Bergsteigern bekannt. Ein inaktiver Vulkan mit dicker Eiskappe. Der höchste Berg Russlands. Der 5642 Meter hohe Elbrus. Dort wollten wir hin!

In unserer 4-köpfigen Bergsteigerrunde war ich noch eher das Kücken. Natürlich mit Erfahrung, jedoch nicht so international und in diesen Höhen. Dafür der russlanderfahrendste. War ich immerhin schon mit dem Rucksack in Sibirien unterwegs. Sprach am meisten Russisch. Ca. 5 Sätze und 30 einzelne Wörter!

Wir wollten auch nicht in Horden internationaler Expeditionsanbieter auf den Berg pilgern. Also war Selbstorganisation angesagt. Ja, das geht. Kostet aber Zeit & Nerven. Flüge buchen, Visum beantragen, Transfer organisieren, Unterkunft suchen. Für unsere Akklimatisationstouren im Adyl Su Tal sogar noch zusätzlich eine Genehmigung vom russischen Militär.

Die Anreise funktioniert tadellos. Victor unser Verbindungsmann holt uns vom Flughafen und bringt uns in das schöne Baksan Tal bis zu unserer Unterkunft. Quasi ein alpiner Gasthof. Ausreichend für unsere Zwecke. Von dort aus nehmen wir unsere Touren in Angriff. Wanderungen zu einer alten sowjetischen Sternwarte. Rauf auf den einfach zu besteigenden Cheget.

Schlussendlich geht es aber rauf auf den Elbrus. 1. Station„Prijut 11“. Übersetzt die„Zuflucht der 11“. 1909 errichtet von elf Alpinisten während einer Expedition auf 4000 Metern. 1942 von einer deutschen Gebirgsdivision übernommen, die am Elbrus eine Fahne hisste um die Herrschaft im Kaukasus zu symbolisieren. Nach einem Brand sind heute nur mehr Reste des Hauses übrig. Eine spartanisch zusammengeflickte Baracke. Hier will man nicht lange bleiben.

In den Tagen des geplanten Gipfelsturms haben wir viel Wetterpech. Eine große Kaltfront. Saukalt! Eisiger Wind peitscht uns entgegen. Wir probieren es. Zwei unserer Gruppe kehren bald um. Zu zweit kämpfen wir weiter. Böiger Wind bläst mich einmal sogar weg! Dabei bin ich kein Fliegengewicht! Es ist eine Qual. Dauernd denke ich mir: Warum mach ich das überhaupt? In der Scharte zwischen den Gipfeln mache ich Pause. Ein wenig windgeschützt. Trotzdem friere ich so sehr und bin leer. Auch ich kehre um.

Banges warten auf Thomas. Maria & Josef! Wo bleibt er denn? Stunden später erblicken wir ihn bei den Pastuchov-Felsen absteigend. Er hat es geschafft! Er war am Gipfel! Das feierten wir im Tal noch sehr ausgiebig! Und auch, dass alle gesund nach Hause gekommen sind!

© Stefan Perner 05.04.2020