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Ein Steirer brach auf um die Welt zu sehen

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Ein Steirer brach auf um die Welt zu sehen | story.one

Los ging mein Abenteuer! Ein Lebenstraum ging in Erfüllung! Raus aus dem tristen Alltag! Eintauchen in die Kulturen fremder Länder. Da war ich nun endlich. Lateinamerika! Ecuador! San Francisco de Quito! Malerisch liegt die Stadt in den Anden. Am Horizont sieht man den Vulkan Cotopaxi. 5897 m. Seine perfekte Kegelform wird durch eine weiße Eiskappe abgerundet. Mit dem azurblauen Himmel ein Postkartenmotiv!

Ohne ein Wort Spanisch organisiere ich mir ein gebrauchtes Handy mit lokaler SIM-Karte. Dann will ich in die Stadt. Ein Herr fragt mich, ob ich ein Taxi brauche. Naiv wie ich bin spring ich in das Auto. Verhandel den Preis und los geht es zur Wohnung von María Belén. Mein Couchsurfing-Host für mein erstes Wochenende auf südamerikanischem Boden. Doch sie hebt nicht ab. Niemand öffnet die Tür.

Verdammt! Was soll ich tun? Ich setze mich am Gehsteig auf meinen Rucksack und warte. Irgendwann höre ich: Stefan? Endlich ist sie da! Klein, dunkle Haare, strahlend grüne Augen und ein bezauberndes Lächeln. Wegen dem Beruf hat sie sich verspätet. Sie arbeitet für die Regierung.

Wir sprechen Deutsch. Einfach für mich. OK, ein bisschen zusammenreißen muss ich mich, dass ich verständlich bleibe und der steirische Dialekt nicht so durch kommt. Belén spricht sehr gut Deutsch. Sie war einige Jahre in Deutschland und hat in Dresden studiert. Vom ersten Moment an merken wir, dass wir uns viel zu erzählen haben. Das ist das schöne an Couchsurfing. Es wird nicht langweilig!

Ich bin ein Idiot, sagt sie mir! Recht hat sie! Erstens bin ich in ein illegales Taxi gesprungen und zweitens war der Fahrpreis ein Wucher. Dabei hab ich so gut gehandelt! Egal. Man zahlt eben sein Lehrgeld. Es ist ja nichts passiert.

Dann fragt mich Belén schon, ob ich am nächsten Tag mit will zu einer Hausparty von einem Arbeitskollegen. Warum denn nicht? Das Leben in vollen Zügen genießen ist mein Plan!

Das Haus liegt außerhalb von Quito in einer Gated Community. So etwas kenne ich nicht. Mauern mit Schneidedraht um das Viertel. Wachmänner mit Gewehren. Ausweiskontrolle. Das Haus ist eigentlich eine Villa. Neu, weiß, groß & nobel. Alle Gäste in Abendkleidern und Anzügen. Ich leger in Jeans und T-Shirt. Trotzdem kein Problem. Jeder ist sehr interessiert wer ich bin und was ich mache. Obwohl die meisten in Ministerien arbeiten ist ihr Englisch überschaubar. Jedoch sticht einer raus. Ein Herr mit äußerst durstiger Kehle. Mit ihm hab ich einen Spaß! Er ist der Pilot von Rafael Correa, dem Präsidenten Ecuadors. An diesem Abend trinken wir recht viel Vodka. Zu viel! Auf der Rückfahrt nach Quito mache ich mir halbträumend Sorgen. Hoffentlich fliegt der morgen nicht! Wenn da was passiert!?

Natürlich ist nichts passiert. Eigentlich doch! Ein schönes Wochenende mit Belén geht nach einem Sonntagsbrunch im nahe gelegenen Park schon zu Ende. Für mich heißt es weiterziehen.

© Stefan Perner 05.04.2020

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