Achtsamkeit, Morgenroutine & Babypsrache

Ich weiß nicht, wie es zu dieser Regelmäßigkeit kam. Warum sollte ich mich auch anstrengen so weit zurückzudenken, wenn ich oft nicht einmal mehr weiß, was gestern passiert ist? Die Sonne geht hinter meinen Rücken auf, man spürt die warmen Sonnenstrahlen am durch das Fenster strömen. Doch jetzt geht es nur um eines, der Morgenkakao für meinen Sohn und die übliche Morgenroutine. Es ist die Ruhe vor dem Sturm, denn der kleine Tyrann will nicht geweckt werden, auch das ist Routine. Man tastet sich vor, Vorhang auf, leise Lounge-Musik an, ab und zu eine wenig rütteln, aber wie erwartet tut sich wenig. Er schnarcht, und ja ein Kleinkind können das schon richtig gut, mein Kind jedenfalls. Diese Gratwanderung zwischen Wecken und selsbt-aufwachen-lassen ist eine Kunst. Und wie jedes Kunstwerk kann es gelingen oder auch nicht, aber am Ende macht er immer die Augen auf.

Es folgt Babysprache bis zum Kindergarten. Aber wir genießen es beide, unsere Fahrt am alten Fahrrad in den Kinderbespaßungsanstalt, durch die Stadt, an vielen Baustellen mit noch mehr Baggern vorbei und wehe ein aufgerissener Gehsteig wird ausgelassen. Es ist der Moment des Aufwachens für uns beide. Jedem «Schneller, Papa!» Folgt ein «Nicht so schnell, Papa!» Es hat etwas magisches, noch immer mit der aufgehenden Sonne im Rücken und gegen die frische Morgenluft zu fahren.

Auch das wird vergehen. Unter Stress lernt man es nicht schätzen, diese Routinen, die wir gemeinsam haben. Dabei ist es genau das Gewahrsein auch von Morgenroutinen, die uns den ersten in sich selbst zufriedenen Moment des Tages bringen können. Manchmal klappt es, mit der Ruhe in diesem Automatismus. Und wenn nicht? Dann hat man wenigstens das Glück, dass Routine immer wiederkehren und man noch eine Chance bekommt.

© Stefan Pfeifer