To the chopper

Jobsuche und ich, eine leidvolle Kombination. Ich bin ein leidenschaftlicher Beobachter und kann schweigen wie kein Zweiter. Für seriösen Business Small Talk und "Ich sehe mich"-Gespräche bin ich jedoch so fehl am Platz wie eine Kuh auf der Autobahn. Bei Vorstellungsgesprächen kritisierte ich beispielsweise schonungslos den Webauftritt meines Gegenübers, konnte die Frage "was ist Projektmanagement?" glänzend nicht beantworten und prahlte mit der Tatsache, dass ich telefonieren konnte. Heute bilde ich mir ein, dass viele meiner Aussagen damals gar nicht so dumm waren, ich sie aber meisterhaft als Blödsinn zu tarnen verstand.

Nach einem erneut erfolglosen Interview hörte ich "..., aber eine befreundete Agentur von uns sucht gerade. Ich leite deine Bewerbung weiter." Tatsächlich erhielt ich wenig später einen Anruf von der Geschäftsführerin. Von meiner unwiderstehlichen Ausstrahlung überzeugt, würgte ich das Telefongespräch schnell ab: "Ich steh auf einer Tankstelle in Innsbruck. Ich kann grad nicht." Dennoch wurde ich von ihr zu einem persönlichen Interview eingeladen. Dieses Gespräch lief gänzlich anders als meine bisherigen. "Wie groß ist dieser Raum?" wurde ich gefragt. Die Frage traf keines meiner Kompetenzfelder, aber ich kam mit ihr doch deutlich besser zurecht als mit meinem Ich in 5 Jahren. Ich plauderte über dies und das, bspw. dass ich nach meinem Uni-Abschluss auf einem Sammelzeugnis eine Stricherlliste führte, damit ich auf jeden bestandenen Kurs mit einem Bier anstoße. Zu meiner Überraschung damals und heute machte das bei meiner Gesprächspartnerin Eindruck. Ich wurde zur letzten entscheidenden Runde geladen.

Ich hielt eine Präsentation zu einem Beispielfall aus der Bierbranche, eine Steilvorlage. Hier ließ ich nun endgültig meine geistigen Absurditäten ins Rampenlicht treten. Ich präsentierte die schrägsten Konzept- und Kampagnenideen in meinem reudigsten Linzer Slang. Die Show gefiel und ich bekam schlussendlich die Stelle. Ich hatte das Gefühl, eine Bank ausgeraubt und davon gekommen zu sein. Meine Ideen, die bislang oft als verrückt galten, bekamen nun plötzlich einen Wert. bis heute.

© Stefan Schwaha