Kickerlitzchen - Auf dem Weg - 2

Parental Advisory: Mit "Auf dem Weg - 1" beginnt's!

Wir erinnern uns: Magnus ist mit dem eBike auf dem Radweg zum Training - brett'l-eben und entlang des Flusses. Er lässt seine Gedanken fliegen, trifft auf hübsche Assistentinnen und die enttäuschte Ehefrau. Da denkt man doch lieber etwas anderes ...

In diese Spreizung der Gefühle fährt ihm Angenehmeres, nämlich die Entwicklung seines Teams beim SK Lüdersdorf. Alles haben sie verloren, jedes einzelne Spiel. Und nur ganz wenige Tore erzielten sie selbst - eigentlich hatten sie nur nach gegnerischen Fehlerketten eigene Erfolgserlebnisse zu bejubeln. Probleme bei der Ballkontrolle hatten das Spiel geprägt. Ballannahme, Ballabgabe. Die Spieler hatten ja sogar mit ihren koordinativen Fähigkeiten gröbste Probleme. Aber jetzt: wie weggeblasen.

Magnus bremst an der Schranke, die über den Kanalweg verläuft und den Badegästen eine sichere Querung des Radwegs sichert. Früher gab's den einen oder anderen Unfall mit Verletzungsfolge, da nicht jeder Badegast einen dämpfenden Luftmatratzen-Bade-Viech-Airbag bei sich gehabt hatte. Als er die Schikane hinter sich hat, befindet sich Magnus aber rasch wieder auf elektronisch unterstütztem Speed. Also nimmt Magnus auch seinen Fußballgedankenfaden wieder auf. Bei seinem Team hatte sich alles dank einer Reihe an Neuzugängen zum Besseren gewendet.

Endlich hatte er die drei "Schrecklichen S" Sven, Stefan und Srdan - aus dem Spielkader streichen und durch drei Neue ersetzten können. Die drei hatten ihm fortan eigentlich sein Spiel gemacht: Markus Eggl war einer, der den Ball auch einmal führte. Ihn halten konnte. Gemeinsam mit Daniel Rubler, einem begnadeten Instinkt-Knipser vor dem Tor und Bernhard Umdaschler, seinem Leuchtturm im eigenen Gehäuse. Ein Talent ungeahntem Ausmaßes, der alles konnte: das Spiel auf der Linie, das Hinausspielen, die Fallschule. Ein Tormann mit Potential für die erste oder zweite Liga. Bundesliga.

Magnus denkt kurz daran, dass die "Schrecklichen S" nach und nach abwanderten. Ebenso wie vier bis fünf andere Jungspieler, die er wegen der Neuzugänge nicht mehr zum Einsatz gebracht hatte. Talente, die sich bei anderen Vereinen in der Gegend zugegebenermaßen super weiterentwickelt hatten. Rasch lächelt er diesen negativen Gedanken weg. Er stellt sich vor, er sitze auf der Tribüne der ganz großen Stadien. Auf Einladung von Torhüterstar Bernhard Umdaschler, der nicht müde wird, ihn in den Medien zu adeln. "Wenn sie mich so fragen: wenn ich einem meiner Trainer den größten Anteil an meiner wunderbaren Karriere zugestehen darf, dann Magnus Verzscher vom SK Lüdersdorf. Meinem Nachwuchstrainer bei der U8. Mein Wendepunkt."

Just in diesem Moment schlägt Magnus mit seinem eBike auf dem Wasser ein. Die schwungvoll zu nehmende, langgezogene Linkskurve ist die zweite Gefährdungsstelle am Ende des Kanalradwegs. Diese hat er heute übersehen. Er, Magnus Verzscher, Trainer der U8 des SK Lüdersdorf.

© Stefan_Karl