Fußball verbindet

2009, Sommer, Nordfriesland, Amrum - ein Eiland südlich von Sylt. Die äußerst knapp definierte Nord-Süd-Ost-West-Ausdehnung schränkt den Aktionsradius radikal ein - maximal 12 Kilometer beträgt die längst mögliche Radrunde inklusive Mehrfachumrundung der alten Windmühle in der Mitte der Insel.

Amrum ist Pustekuchen. Ist Butze. Ist Piratenfahrt. Ist Käpt’n Tadsen. Ist Wind und Wetterwechsel. Watt und Kniepsand. Bohlenweg und Robbenbänke. Ebbe und Flut.

Amrum ist Urlaub für Familien. Wir Österreicher sind Exoten - so wie alle Gäste, deren Reise südlich des Weißwurstäquators ihren Ausgang nimmt. Zur leichteren Orientierung ist dieser Exotenstatus an den Fanfarben und -fahnen des Lieblingsvereins erkennbar - denn fußballverrückt sind sie auch an der Nordsee.

Während die Flaggen des FCB rar gesät sind, beginnen die Vereinsfarben von Teams auf dem Breitengrad entlang des Ruhrgebiets in Richtung Berlin langsam dichter zu werden: gelb-schwarze BVB- und blau-weiße Hertha-Abzeichen erreichen zumindest Gruppenstärke. Wiederum klar abgehängt von grün-weißen Werderanern und - überraschend - Hansa Rostock. Das Match scheinen sich aber ohnedies der HSV und die Kiezpiraten des FCSP unter einander auszumachen - die beiden dominieren.

Und dann wie gesagt die Exoten - Österreicher. Vater (30+) und zwei Söhne (±8 und ±5) gewandet in den Trikots des LASK - in einer eher dunklen Zeit, die getrost als 'schware Partie' für jeden Fan bezeichnet werden kann. Stolz - gut, die Kinder können sich kaum wehren. Es wird noch angezogen, was die Mama oder der Papa hinlegt. Papa mag schwarz-weiß.

Schwarz-weiß am Rad. Schwarz-weiß im Eissalon. Schwarz-weiß in der Matjesbude. Schwarz-weiß am Ausflugsschiff zu den Halligen. Schwarz-weiß am Kniepsand und auf der Wittdüner Fußballwiese - immer ausgestattet mit dem passenden Spielball. Wo der ist, ist in der Regel ein Tor oder zumindest ein Gestänge, das so tut, als wäre es eins. Und damit ein Match.

Auf Sand und Rasen treffen sich alle Trikots und Farben zum Kick. Egal ob Exot oder Platzhirsch. Allen Alters. Zu allen Tageszeiten und bei jeder Witterung.

Fußball verbindet.

Geneigte Leser der Kickerlitzchen mögen nun auf eine satirische Wendung warten. Allein, es kommt keine. Diesmal nicht. Denn für diese #summerchallenge weicht die Erzählidee vom üblichen Strickmuster ab. Sie zeigt eine dieser Geschichten, warum die Widmung im ersten Story.One-Sammelband zu meinen Kickerlitzchen lautet „Wenn du nicht kicken kannst, schreibe darüber!“

Nun ist es nicht so, dass ich nicht kicken könnte. Aber Feinmechaniker am Ball bin ich eben keiner. Die Kickerlitzchen sind meine in Worte gefasste Liebeserklärung an 'König Fußball'. Weil das runde Leder uns verbindet - über Sprach- und Kulturgrenzen, über Haut- und Haarfarben und Chromosomen und glücklicherweise meist auch über die Vereinsfarben hinweg.

Fußball verbindet eben. Das ist zumindest meine Hoffnung.

© Stefan_Karl