Kickerlitchen - Danke nochmals Bertl!

Wir erinnern uns: Bertl Zach hat die Fußballerkarriere des heute zweiundzwanzig Jährigen Ünal Günes aus der Sandkiste heraus begleitet - heute ist er dessen Spielermanager und hat Post von Ünal erhalten - die er wie üblich in seinem Managerbüro am Stammtisch im Restaurant Veliki Grad liest. Es ist eine nüchterne Autogrammkarte: Ünals und Bertls Wege trennen sich - offensichtlich.

Ünal hatte zwei weitere etwas schwierigere Jahre beim schwarz-Weißen Bundesligisten verbracht - nebst einigen leichteren Verletzungen (»Bertl, bin'i üb'rtrainiert!«), Liebschaften (»Die Paula, Oida, waast'eh mei Personal-Trainerin, de Oide bringt di Schwitz'n.«) - und war dann zum blau-weißen Traditionsverein der Stadt gewechselt. Der verpatzte erste Eindruck beim Trainingsstart im neuen Verein (»Oida, nur wegen alte Trainingstasch'n mit'n Schwarz-Weiß-Logo. Soll'nsi ned anscheiss'n de Koksler.«) bescherte ihm eine weitere für die sportliche Entwicklung wertlose Saison. Aus dem hoffnungsvollen Teenager-Talent wurde rasch eine gescheiterte Karriere mit fünf bis acht Kilo Übergewicht.

Wäre da nicht Bertl gewesen, der Ünal ablösefrei zum Herzensverein Rot-Weiße Heimat Linz lotste - einem Verein in der zweituntersten Spielklasse in Oberösterreich. Ünal spielte eine passable Saison mit 10 Vorlagen, 6 Freistosstreffern in insgesamt 11 von 26 möglichen Partien. Mit monatlich 850 Euro Kostenersatz und 70 Euro Punkteprämie. Letztere erhielt er unabhängig davon, ob er sich (zwölfmal) fitmeldete oder (vierzehnmal) offizell verletzt war. Bertl hatte die Hälfte des Kostenersatzes und die Hälfte der Punkteprämie von seinem eigenen Geld berappt - im Gegenzug für einen 10*20cm großen Bertl Zach-Schriftzug auf der VIP-Tafel von Rot-Weiße Heimat Linz im Eingang zum Vereinsheim. Und einer Flasche Sekt von Ünal samt Billet, das Ünal im Supermarkt gekauft hatte. Unterschrieben mit 'Für immer Danke, Bertl, mein Manedscher!'

Und nun das. Ünal wechselt nach Niederösterreich. Ohne ihm etwas davon zu sagen. Als sie sich gestern im Gemeindebau getroffen hatten, war Ünal gerade dabei, seinen schwarzen 5-er BMW zu polieren.

»Na Ünal, alles klar bei dir für den Trainingsstart am Montag?«

»Na, leider Manager, die Leist'n zwickt. Hab Trainingsverbot, Manager.«

Bertl holt sein Geldtascherl aus der dunkelgrauen Sporthose, greift in sein Portemonnaie, zerreisst die 'Bertl Zach, Spielermanager Ünal Günes'-Visitenkarten, öffnet das Online-Banking, storniert den Dauerauftrag an den Verein für seinen Hälfteanteil, entfreundet sich auf Facebook von Ünal. Dann bestellt er bei Darko seine vierte Halbe und der Wirt des Veliki Grad wischt die zerfledderten Reste der Autogrammkarte auf sein Serviertablett, als er die Zipfer-Halbe bringt.

»Danke für nichts, Ünal«, murmelt er, als er den ersten Schluck nimmt.

© Stefan_Karl