Kickerlitzchen - Danke Bertl!

'Danke Bertl für ales' steht handschriftlich auf dem Foto. Es ist die Autogrammkarte von Ünal Günes, die Bertl Zach heute als Briefsendung aus seinem Postkasten genommen hat. Auf der Rückseite schreibt Ünal, dass er vor zwei Tagen bei einem niederösterreichischen Regionalligisten unterschrieben hat.

Als Bertl Zach diese Zeilen liest, verkutzt er sich an seiner Zipfer-Halben und muss augenblicklich husten. Ein nebelig feiner Sprühregen senkt sich über seine Tischhälfte am Stammtisch des Restaurants Veliki Grad. Feine Tröpfchen beschlagen den Bildschirm seines Smartphones. Die feine Fontäne sprenkelt auch das Papier der Gratis-Tageszeitung seines Vertrauens schwarz-grau. Beim Versuch, das ohne bereits angeschlagene Smartphone aus der Gefahrenzone zu bringen - immerhin ist der Bildschirm durch einige physische Abstürze des Geräts spinnennetzartig gebrochen - touchiert Bertl sein Bier unglücklich. Das schlanke Glas kippt und der Rest seiner bereits dritten Halben verteilt sich über die Ünal Günes-Autogrammkarte. Das Papier weicht augenblicklich auf.

'Danke Bertl.' Aber dessen Tag ist mehr als vertan. Nicht wegen dem Telefon, das hat den Unfall gut überstanden. Nicht aufgrund des Biers, das kann man nachkaufen. Nein, Bertls Katastrophe ist Ünal Günes Abgang.

Der heute 22-jährige Ünal wächst in Bertls Nachbarwohnung im Gemeindebau der Grillbergerstraße auf, als eines von fünf Kindern der Günes-Mutter auf weniger als sechzig Quadratmetern. Bertl Zach hatte den jungen Ünal begleitet, ihn - unter lautem Gfrasta!-Gebrüll - zunächst einige Male aus dem Hof verstaubt, wenn er als Zehnjähriger mit seinen Alterskollegen, auf die Wäscheleinen und Teppichklopfstangen Fußball gespielt hatte. Just wenn Bertl Waschtag gehabt hatte und sein weißes Feinripp, die weißen Kurzarm-Hemden und die dunkelgrauen Stoffhosen zum Trocknen ausgehängt hatte.

Nach und nach hatte der frühpensionierte Trafikant und Kenner des runden Leders Bertl jedoch Ünals Talent erkannt, seine Karriere auch im Nachwuchs des lokalen Bundesligaklubs mitverfolgt. Irgendwann hatte er sich dann als »Berthold Zach, sie wissen, Ünals Spielermanager« vorgestellt - und keiner hatte dagegen etwas gesagt. Sich viele, viele Spiele des Jungen auf dem nahegelegenen Sportplatz angesehen und schließlich dessen Debüt in der B-Mannschaft des Klubs mit Mama Günes und Ünal und mit einer Flasche Sekt, im Hof des Gemeindebaus gefeiert. Samt Billet, das Bertl im Supermarkt gekauft hatte. Unterschrieben mit 'Berthold Zach, Spielermanager'.

To be continued.

(Anmerkung: Alles, was ich im Vergleich zur Realität ändern muss, erfolgt aus einem Augenzwinkern heraus, zum Schutze der Identität und Sicherstellung der Bestimmungen der DSGVO.)

© Stefan_Karl