Kickerlitzchen - Multiprofessionell 2

Wir erinnern uns an René: Im zivilen Leben ist er Briefträger bei der Post, abseits davon mit Haut und Haar an den SC Reidling vergeben - neben seinen ehrenamtlichen Pflichten beim Fußballverein 'geht sich nicht mehr viel aus' - die Beförderung bei der Post und eine Beziehung zu seiner nun Ex-Freundin nicht, und auch sonst so einiges geht sich irgendwann nicht mehr aus - wie wir gleich erfahren werden ...

»Pfuh, keine Zeit, das Kicken lastet mich doch schon voll aus«, hatte René auch gegenüber seinem Vater gemeint, als dieser ihn gebeten hatte, ihn doch zumindest einmal monatlich im Reidlinger Seniorenwohnhaus zu besuchen. Der wiederum hatte erbost reagiert und den dummen Bu'am testamentarisch auf den Pflichtteil zurückgesetzt - ein klassisches Revanchefoul seines Vaters.

Als ihm der Gertschi am 1. Juli, nur wenige Tage nach dem letzten Meisterschaftsheimspiel der Kampfmannschaft, zur gewohnten Zeit um 14.30 Uhr im Café-Pub Gaberl offenbart, dass er gerade erst am Vormittag einen Antrag auf Privatkonkurs eingebracht hat, ist René noch nicht sofort klar, was das bedeutet. Erst nach einer längeren, erfolglosen Suche nach einem neuen Wirt'n, der bereit wäre, das etwas abgefuckte Café-Pub des Vereins zu übernehmen, kristallisiert sich für René eines ziemlich deutlich heraus:

»A bissl wos geht immer noch.«, sagt René und mit 1. September ist er Schriftführer, Sektionsleiter, Platzwart, Kampfmannschaftstrainer, Nachwuchstrainer von drei Mannschaften und - nunmehr auch - Wirt. Das neue Café-Pub René hat an sieben Tagen der Woche geöffnet - spätestens ab 14.30 Uhr.

Am 3. November um 14.45 sackt René schließlich in der Küche des SC Reidling leblos zusammen. Nicht nur Renés Welt bricht zusammen.

»Das geht sich halt irgendwann nicht mehr aus«, sagt der Gertschi, der ihn tot auffindet, als er seinen Nachfolger auf ein Bier besuchen kommen will.

»Schlaganfall«, sagt der anwesende Arzt.

»Ein Vorbild für uns alle: Immer bereit Aufgaben zu übernehmen. Der SC wird ohne ihn nicht mehr sein, was er mit ihm war«, schreibt Reinhard Messerer, der Obmann des SC Reidling, auf dem Facebook-Vereinsaccount.

»Die gute Seele des Vereins«, sagt der Dorfpfarrer beim Begräbnis.

Vier Monate später stellt der SC Reidling seinen Spielbetrieb ein. Aus Mangel an Funktionären.

© Stefan_Karl