Kickerlitzchen - Technik, segensreich - 1

Zufrieden klappt Jakob Staller sein iPad pro zu, damit der empfindliche Bildschirm keine Schramme abbekommt, wenn er in den nächsten zehn Minuten aufbricht. Soeben hat er das Trainingsprogramm für heute fertiggestellt. Er legt das Tablet vorsichtig auf das Vorzimmerkästchen und geht gewogenen Schrittes hinunter ins Fußballstüberl im Keller um sich dort unten umzuziehen.

Er denkt zufrieden an seine Fußball-App auf der alle Trainingsprogramme der letzten vier Jahre gespeichert sind. Dass ihm die segensreiche Digitalisierung für den Bereich des Fußballtrainings das Leben dermaßen erleichtern würde: damit hatte er nicht gerechnet. Dieses Wunderwerk der Technik macht ihm die Arbeit am Fußballplatz immer leichter.

In der von ihm verwendeten Basic-Version lassen sich die Mannschaftsdaten verwalten, die Trainingsanwesenheit erfassen, die Spielerfähigkeiten individuell für jeden einzelnen seiner KM-Spieler einschätzen und deren Entwicklung nachvollziehen. Das Programm bietet die Möglichkeit einen Terminkalender zu führen, die Kommunikation mit den Spielern per eMail abzuwickeln und und und.

Außerdem ist es möglich, Matchstatistiken zu führen und die Trainingspläne zu erstellen: welche Übungen, in welcher Organisationsform, mit welchem Trainingsmaterial, in welcher Intensität, als Spielform oder als TE/TA, und und und.

Für monatlich zehn Euro gäbe es eine erweiterte Lizenz. Die Pro-Version böte eine ergänzende SocialMedia-Funktion, ein Werbepartner- und Vereinskassen-Management und eine Cloud-Datensicherung und und und.

Aber selbst für ihn als Technik-Afficionado am Fußballplatz, ist dieser monatliche Zehner das Geld nicht wert. Jakob ist fertig umgezogen und steckt das iPhone in die Tasche, zippt deren Reißverschluss zu - das Mobiltelefon wird ihm heute nicht wie in der Vorwoche während einer Einheit aus dem Hosensack kippen und unbemerkt auf den Boden fallen. Dem anschließenden Trefferstakkato seiner Stollenschuhe bei der Koordinationsleiter hatte das Display nicht standhalten können. Kostenpunkt: 180 Euro.

Jakob blickt auf die Uhr. Das KM-Training startet in gut 30 Minuten, er läuft die Kellertreppe hoch. Im Vorzimmer klappt er das iPad nochmals auf - um sich zu versichern, dass das Trainingsprogramm in der App auch tatsächlich gesichert wurde. Als er sich dann umdreht, stößt er mit dem Tablet gegen die Kellertüre, die wie immer von selbst wieder aufgegleitet und touchiert sie mit dem iPad, das ihm aus der Hand rutscht und Richtung Boden fällt. Geistesgegenwärtig stellt Jakob den Fuß heraus, und fängt den Fall des Geräts so weit ab, dass es zwar am Boden aufschlägt - aber flach und mit der Rückseite, die durch eine Plastikschutzhülle gedämpft ist. Puh, knapp, denkt Jakob.

To be continued.

(Anmerkung: Alles, was ich im Vergleich zur Realität ändern muss, erfolgt aus einem Augenzwinkern heraus, zum Schutze der Identität und Sicherstellung der Bestimmungen der DSGVO.)

© Stefan_Karl