Vom Feiern können

Als der Schlusspfiff fällt, brechen alle Dämme. We are the Champions dröhnt aus den transportablen Boxen über das Fußballfeld. Der Klang der WLAN-Lautsprecher ist brilliant, die Lautstärke schier ohrenbetäubend. Im Zeitraffer ziehen Erinnerungen der abgelaufenen Saison an den inneren Augen aller Anwesenden vorüber.

Welch entbehrungsreiche Monate? Wie viele Sondertrainings hatte es gebraucht? Wie oft hatten die Trainer die niedrige Trainingsanwesenheit einiger Spieler in Trainingseinheiten kritisiert? Die laschen Vorbereitungswochen bemängelt - die Unaufmerksamkeiten bei den Trainings, vor allem aber die schwachen Leistungen in den Freundschaftsspielen – sowohl aus dem Unter- als auch aus dem Oberhaus. Wie oft waren Disziplinlosigkeiten in den Pflichtspielen fast zum Verhängnis geworden? Stellungsspiel, mangelnde Passquote, ausbaufähige Chancenauswertung, schwache Kommunikation an Feld. Wie oft hatten die Trainer hineingebrüllt?

»Gott sei Dank sind keine Ordner da«, meint einer, denn eine haltlose, überschwängliche Freude bahnt sich ihren Weg, als die Fans das Spielfeld stürmen. Es wird gejubelt, vorbei das Lästern über die Gegner und die Schmähungen, die man selbst über die eigene Mannschaft hören und ertragen musste.

Wie oft hatte man sich über die Heimtendenzen aufgeregt, wenn etwa die Gästekabinen noch verschlossen waren? Mangelhaft gesäubert und muffig waren. Nur kaltes Wasser hatten. Wie hatten die Fans oft die ruppige Gangart der Gegner hinaus geschrien? Die eigene englische Härte verteidigt. Wie oft hatte man dem Parteiischen die Meinung zu Fehlpfiffen deftig zurufen müssen? Zu falschen Elferpfiffen. Zu Fouls an den schlecht markierten Strafraumgrenzen.

Von zu geringen Abständen bei Freistößen, vom unerlaubten Ballsperren und von den Schwalbenkönigen einiger Kontrahenten ganz zu schweigen. So vieles unverständlich, Pfiffe der Parteiischen, selbst wenn Klaus und Vinc saubere Sliding Tacklings machten. Die Gegner kaum berührten.

»Wir Fans hätten einige Male der Tribüne und des Stadions verwiesen werden müssen«, erzählen sich die zwei Fanklub-Verantwortlichen augenzwinkernd, »wenn der Schiedsrichter alles mitbekommen hätte, was auf den billigen Plätzen so über ihn, die Gegner und deren Fans gesagt worden war.« - nicht immer jugendfreies.

Aber jetzt, als Eltern, Trainer, Vereinsfunktionäre und Spieler der U11 des SC Rotzing auf dem Hauptfeld des FC Hörndorf ein Feuerwerk aus Raketenbatterien in den Oktoberhimmel schicken, sind die anderen Vereine kein Thema. Die Rotzinger U11 weiß seine Gegner sportlich zu demütigen und die Eltern können feiern - aber so was von!

(Wegen der rechteckigen Brandflecken am Hörndorfer Geläuf erhält Rotzing Wochen später ein anwaltliches Schreiben, den entstandenen Schaden am Grün (200 Euro) innert zwei Wochen zu begleichen. Dieses wird bei der Rotzinger Weihnachtsfeier verlesen. Es ist der Schenkelklopfer.)

© Stefan_Karl