Zurück in Hogelberg 1

Denkt man an die verunglücktesten Minuten auf dem Fußballrasen, fällt einem gelernten Österreicher beispielsweise das 0:1 gegen die Faröer-ein, aber auch das 0:9 gegen Spanien. Einem Deutschen käme gewiss das 1:2 der Bayern im CL-Finale 1999 in den Sinn. Dafür bescherten wiederum die Deutschen dem fußballbegeisterten Brasilianer beim 1:7 im WM-Halbfinale 2014 90 Alptraumminuten.

Fragt man einen von 600 Hogelberger-Gemeindebürgern wird er dir von der Relegationspartie 2016 erzählen. Hogelberg gewann auf dem grünen Rasen, verlor aber das Match gegen das Regelwerk: Vier Wechsel während einer Partie, das war einer zuviel gewesen.

Aber, Entwarnung: Hogelberg erholte sich rasch.

Die Mannschaft und Fans zogen sich in der nächsten Saison selbst aus dem Sumpf und schafften den Aufstieg. Die erneute Relegationschance gewannen die Hogelberger souverän mit einem Gesamtscore von 6:0. Trainer Leo Hunger nahm dieses Mal regelkonform nur drei Wechsel vor. Aufstieg geschafft - das alles passierte im Juni des Jahres 2017.

Mittlerweile spielt der SV Hogelberg im Mittelfeld der 1. Klasse West-Süd. Die Gegner tun sich schwer auf dem schmalen Platz, der zwischen Friedhof und der Brauerei Oberhuber eingezwängt liegt. Es ist dermaßen eng, dass längsseitig des Rasens nicht einmal Tribünen Platz finden. Die Fans stehen hinter beiden Toren - einerseits auf der neugebauten Tribüne, gegenüber befindet sich eine Naturtribüne.

Die Hogelberger bestreiten heute erstmals das emotional aufgelandene Lokalderby gegen das benachbarte Meininghofen, eine Motorrad-Welthauptstadt. In Meininghofen ist der Fußball verständlicherweise mehr die wichtigste Neben- denn Hauptsache der Welt. Der dortige USV wird von den Großbetrieben der Industriestadt links liegen gelassen. Sponsorgelder gibt's vom Motorradhersteller leider nicht - das Geld fließt in diverse Zweirad-Weltmeisterschaften. Klar eigentlich - A. will sich im Werk keiner der Verantwortlichen vorwerfen lassen, nicht alles auf den sportlichen Erfolg in der Moto-GP ausgerichtet zu haben, B. erzielt die Motorradflotte in der weltweiten Rennserie eine deutlich höhere Werbewirkung als der lokale Fußballklub im oberösterreichischen Fußball-Unterhaus bieten könnte.

© Stefan_Karl