Zurück in Hogelberg 2

Wir erinnern uns: Hogelberg strauchelte in der ersten Relegation in ein Fiasko - der grüne Rasen hätte ja gepasst, aber das Regelwerk verhinderte den Aufstieg. Ein Jahr später ist alles anders und Hogelberg kickt eine Liga höher im gesicherten Mittelfeld der 1. Klasse West-Süd. Da kommt das Lokalderby gegen die Motorradhochburg Meininghofen genau richtig ...

Die Vereine der beiden Nachbargemeinden sind nur durch einen Punkt getrennt, der Sieger kann sich die Nummer Eins im Bruderduell für die kommenden Wochen auf die breite Brust heften. Die Hogelberger wollen den Sieg gegen d'Industrieschrauber - wie sie ihre Nachbarn teils abfällig, teils neidisch nennen - mit aller Kraft.

Anzumerken sei an dieser Stelle, dass diese Industrieschrauber-Abfälligkeit in Hogelberg seit einigen Jahren bedenklich bröckelt, seitdem mehrere Jungbauern ihren Hof nur mehr im Nebenerwerb führen, im Motorradwerk aber vierzig Stunden die Woche arbeiten. Weil einer der Abteilungsleiter der Motorenabteilung in Hogelberg residiert und der Hersteller gerüchteweise in der Gemeinde sein neues Werk errichten will, wird der Industrieschrauber-Begriff noch stärker aus dem Hogelberger Sprachgebrauch verdrängt. Lediglich der Pensionistenstammtisch in der Weißbierbraugasthof Oberhuber zeigt sich vollkommen unbeugsam.

Die graumelierten Herren - witzig eigentlich - rund um die drei großen Wortführer Adi Öller, Adi Hutterer und Adi Fanghofer wissen dabei aber nicht nur über Mattighofen Abfälliges zu berichten - auch über andere Gemeinden in der Region haben sie ihre ganz eigene, kritische Meinung.

So kommt etwa die Bezirkshauptstadt mit den Bezeichnungen Eis'nhütt'n oder d'Stådinger noch glimpflich davon. Dafür bekommen andere ungleich mehr Fett ab. Michling, ein paar Kilometer weiter hat wegen der vielen Käsereien den unschönen Beinamen Kasmichling. Gufling am Inn muss wegen seinem industriellen Geflügelbetrieb zum Rufnamen d'Hendlstållinger erdulden. Die Einwohner von Opping am Kobernaußerwald gelten wegen des regional durchaus bekannten Wasserschlosses der ansässigen Grafenfamilie bei Einheimischen traditionell als d'Åd'ligen. Der Stammtisch betont hier wiederholt, wie wichtig es ist, das A hier als Å auszusprechen ist. Åd'l steht im Innviertlerischen für Gülle.

Bevor der Eindruck entsteht, die Hogelberger im Allgemeinen und die Stammtisch-Adabeis seien allzu bösartige Menschen, muss zu ihrer Verteidigung vorgebracht werden, dass auch die anderen Gemeinden mit Hogelberg nicht gerade zimperlich umgehen. Im Innviertel grassiert für Hogelberg der unschmeichelhafte Begriff Saubau'n-City.

Saubau'n-City gewinnt das erste Derby der Geschichte gegen d'Industrieschrauber übrigens mit 2:1. Nun dürfte über die kleine Innviertler Gemeinde und ihren Fußballverein aber alles gesagt sein, oder?

© Stefan_Karl