Otto - psychologischer Kriegsfürst

Schon vor der Partie ist die Stimmung eher angespannt. Die ASKÖ Obervogau war am falschen Fußballplatz - und damit vor verschlossenen Türen - gestanden. Zeitverlust für das Aufwärmen rund 15 Minuten. Stress, der keiner Mannschaft bei der Matchvorbereitung hilft.

Vielleicht hätte Untervogau die Info über die kurzfristige Verlegung des Spielorts zum rund 1 Kilometer entfernten Trainingsfeld doch nicht an die allgemeine Vereinsemailadresse der Gäste senden sollen, sondern hätte deren Trainer direkt informieren können.

Schließlich kennt man kennt einander aus vielen Matches.

Aber genau darin liegt schließlich die Überlegung von Otto Jager, dem Trainer der Union Untervogau. Dem Heimteam. Beim heutigen Gegner handelt es sich um niemand Geringeren, als den ASKÖ Obervogau. Untervogaus Derbyrivale und Angstgegner.

Otto hatte sich nach der letzten gemeinsamen Partie - einem 2:4 für Obervogau - geschworen, alles zu unternehmen, damit seine Jungs bald wieder als Derbysieger vom Platz gehen würden.

Psychologische 'Kriegsführung' also.

Die unangekündigte Verlegung identifizierte er dabei als notwendigen Nadelstich (»Muas ja kana wiss'n, dass des Vertikutieren e'no häd' wart'n kennan«). Weitere Mätzchen setzt er in der Gästekabine - durch das Abschalten der Heizung (»Leider geht der Schas grad ned!«) und des Warmwassers (»Des hühf't aber erst nach'm Spü«). Oder am Fußballplatz selbst: im vergangenen Monat bearbeitete er den Rasen vor jedem Training mit der Walze und machte das Geläuf damit schneller (»Des san'de ASKÖer ned g'wohnt!«). Für das Match verkleinerte er zudem das Spielfeld auf dem Trainingsplatz soweit möglich (»Des san's a ned g'wohnt!«), um den spielstärkeren Obervogauern den Raum zu nehmen und das Zusammenspiel zu erschweren.

Ein vor der Gästekabine aufgestellter Aschenbecher samt Hinweistafel ('Raucherbereich - für eine tschickfreie Tribüne.') ist selbstredend ebenfalls Teil von Ottos 10-Maßnahmen-Psychokrieg.

Auch wenn sich die restlichen Punkte erst beim Spiel selbst zeigen werden, entfährt es dem Gästetrainer Bruno, als sich die Wege der Beiden kreuzen - Otto entspannt in Richtung Kabine, Bruno unter Zeitdruck zum verkürzten Aufwärmprogramm seiner Mannschaft eilend:

»Du hast an Vog'l. Is' des alles notwendig? Im Nachwuchs? Bei einer U11? Echt, Otto.«

Der Angesprochene zieht das Ding freilich durch: den klassischen Heimschiedsrichter (»Des macht eh a jeda!«), die grenzwertig weichen Bälle (»Mit denen kann man scho'no'spü'n!«), die übergroßen Überziehleibchen für die Gastmannschaft wegen der farbengleichen Dressen und - darauf ist er besonders stolz - die Youtube-Videos schauenden Kinder hinter dem Gästetor.

Der Erfolg gibt Otto recht: Der späte Ausgleich für sein Untervogau fällt, als Gästegoalie Jan wieder einmal durch ein laut geröhrtes »Oida! Ehre genommen!« in seinem Rücken abgelenkt ist. Als er sich umdreht, kullert der Ball links neben seinem Fuß ins Netz.

© Stefan_Karl