Der Fluch der Romano

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Der Fluch der Romano | story.one

Zio Enzo heißt mit Nachnamen Romano. In Italien ein Name wie Müller und Maier. Meine Nonna war auch eine Romano. Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten wuchsen alle in Marechiaro auf. Der Vater meiner Nonna ist Anfang des 20. Jahrhunderts nach Amerika abgehaut. Eines Abends sagte er zu seiner Frau beim Abendessen, er holt noch einen Wein und kam nie wieder... oh doch aber dazu ein paar Zeilen weiter unten. Zio Mario, so hieß er, heiratete in den USA eine Frau, hatte Familie, eröffnete ein Ristorante und mein Cousin lebt heute in New York. So musste die Nonna, sie war die älteste, ihre drei Brüder aufziehen. Zio Raffaele war einer der drei Brüder. Es war sicherlich sehr schwer Anfang des 20. Jahrhunderts als alleinstehende Frau mit vier Kindern. Die Kinder wuchsen ohne Vater auf und das hinterließ wohl ihre Spuren.

Zio Raffaele war auch eine Zeitlang verheiratet und hatte drei Söhne, einer davon war eben Zio Vincenzo, Enzo. Als ich Zio Raffaele kennenlernte, lebte er bereits getrennt von seiner Frau, in einer Garage, die Werkstatt und Atelier zugleich war. Er konnte sehr schön malen, malte diese klassischen Ansichten von Neapel, entweder nach Ansichtskarten oder nach Auftrag. Der Bruder von Zio Raffaele der auch Mario hieß, verheiratet war, zwei Töchter, lebte in einen alten stillgelegten Auto. In Neapel geht das ja wunderbar, bei unserer Kälte im Norden...

Zio Raffaele alle nannten ihn nur Zio Pappele war auch ein sehr guter Koch und ein großer Esser. Seltsamerweise waren in unserer Familie alle groß und so war auch er etwa ein Meter neunzig. Er war auch zeit seines Lebens Kommunist und sogar in deutscher Gefangenschaft! Dort lernte er etwas Deutsch, er sagte zu uns immer, "ah Kartoffel e..." das andere Wort das er noch wußte, war "Verboten." So mussten also viele Kinder damals, ohne Vaterfigur aufwachsen.

Zio Enzo sein Sohn, studierte an der "Accademia di belle Arti di Napoli" wo er später dann auch unterrichtete, er arbeitete auch als Architekt und ist Künstler. Groß die Macht sie ist in unserer Familie. Zio Enzo ist heute 79 Jahre alt, mein Vater wäre auch so alt, sie sind gemeinsam aufgewachsen am Bauernhof, waren wie Brüder. Mein Vater wurde aber sehr früh in die Pflicht genommen, damals gab es Kinderarbeit auch in Europa. Der Nonno am Feld, mein Vater musste mit 10 Jahren, Obst und Gemüse am Markt verkaufen. Deshalb gab es bei uns Zuhause kein "muss" für uns. Zio Enzo hatte auch früh geheiratet, zwei Söhne und früh wieder geschieden. Wie sein Vater Zio Pappele, waren sie für meine "normalen Verwandten" aber allesamt etwas "entrückt" Sie nennen es "Den Fluch der Romano." Alle waren und sind aber gute Menschen gewesen, fröhlich, lebensbejahend und tolerant.

Ah ja Zio Mario, als er alt wurde, wollte er noch einmal sein Neapel sehen, er starb im Flugzeug, böse Zungen behaupten, sein Kaffee im Flugzeug war vergiftet. Angeblich hatte er in Amerika mit der Mafia zu tun bekommen und die wollten nicht das er etwas ausplaudert in der alten Heimat.

© Stelio Cotugno 16.07.2019