Die Geburtstagstagsüberraschung

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Die Geburtstagstagsüberraschung | story.one

Den geneigten Leser/-innen meiner Kurzgeschichten wird es sicher nicht entgangen sein, dass ich guten Essen nie abgeneigt bin, dies nach all den Jahren durchaus auch überstrapaziert habe, welches sich unausweichlich auf mein Gewicht ausgewirkt hat. Einige bauen Häuser, andere sparen, in welcher Form auch immer, ich habe, wenn man so will in meine Leibesfülle investiert. Bei meinem Gewicht ging es ständig auf und ab, ganz so wie auf der Börse. Derzeit ist der Kurs konstant hoch. Schade, dass es keine Dividende gibt!

Nun stand vor kurzen mein Geburtstag vor der Tür. Ein angeblich besonderer, der Fünfziger. Auf jeden Fall hatte meine Mutter eine geniale Idee, die sie mir auch nähergebracht hat, denn, wer mag schon Überraschungen, wir sind ja alle, erwachsene Menschen. Zur Idee: Zum Leidwesen meiner über 80-jährigen Mutter, hatte mein Kühlschrank Anfang des Jahres seine geplante Obsoleszenz erreicht und den Geist aufgegeben. Zum Leidwesen deshalb, da sie es gewohnt ist, jedes Mal, wenn ich sie besuche "dem arman Buam" allerlei selbst Gekochtes mitzugeben. Tomatensugo, Sugo mit Paprika und, und, und, alles liebevoll unter der Woche gekocht, ich schreibe Kurzgeschichten, meine Mutter kocht, sie liebt es!

Die Gerichte werden sorgfältig eingefroren "und wann der Bua dann kummt", so etwas hat Tradition südlich von Rom abwärts, besonders in Neapel, es ist mehr als Essen, es ist Liebe! Wie soll man da nein sagen... seit einem halben Jahr war ich in meinem Single-Haushalt nun mit einem kleinen Tischkühlschrank ausgekommen, ohne Eisfach. Meine Mutter hat zwei, einen normalen und in der Speis eine Gefriertruhe, voll bis oben hin.

Zurück zur Idee – Mutter ruft vor meinen Geburtstag meinen Bruder an. Ob sie mir nicht gemeinsam einen großen Kühlschrank mit großem Eisfach kaufen sollen. Bei meinem Bruder fällt die Idee auf keinen fruchtbaren Boden. Mein Bruder, der stets besorgt um meine Gesundheit war (manch böse Zungen behaupten, er sei nur um seine Geldbörse besorgt), gibt meiner Mutter folgenden Rat: Auf keinen Fall, jetzt vor dem Winter dem Bruder einen neuen, großen Kühlschrank kaufen, sagte er zu ihr, da ich mir sonst einen Bären gleich, (der Bär ist meine sympathische Interpretation, die Sau hält bekanntlich keinen Winterschlaf) den neuen Kühlschrank mit Essen voll füllen würde, um dann den ganzen Winter nicht mehr außer Haus zu gehen.

Letztes Weihnachtsfest hat mein Bruder mir eine komplette Tennisausrüstung inklusive Schläger, Schuhe und Tasche geschenkt, die seit damals meinen Schrank schmücken. Wie gesagt, er ist besorgt um meine Gesundheit. Die Geschichte ist dann so ausgegangen: Vor lauter Wut habe ich mir den großen Kühlschrank selbst gekauft, Mutter kann glücklich weiter kochen und mein Bruder, ja der hat nur einen Spaß gemacht!

Ah ja, zu meinem Geburtstag haben meine Mutter und ich sehr gut gegessen, uns unterhalten und den Rest habe ich mitbekommen – für den neuen Kühlschrank.

© Stelio Cotugno