Die gute Fee

  • 242
Die gute Fee | story.one

Meine gute Fee, hat mir schon sehr viel geholfen. Sie ist natürlich keine gute Fee im klassischen Sinne. Zum Glück, denn jede/r sollte sich ein wenig davor hüten, dass einem die eigenen Wünsche erfüllt werden, so ähnlich wie bei Herr der Ringe, wo Frodo der Elbenkönigin Galadriel den Ring anbietet. Zuerst vermeint sie, was sie nicht alles Gutes damit tun könnte, weist ihn dann jedoch energisch und Weise zurück, als sie erkennt, wie Macht auch sie korrumpieren würde: „Anstelle eines dunklen Herrschers hättest du eine Königin; nicht dunkel, aber schön und entsetzlich wie der Morgen, tückisch wie die See, stärker als die Grundfesten der Erde. Alle werden mich lieben und verzweifeln!“

Allzu oft und allzu leicht fühlt man sich allmächtig und verkehrt das Gute in etwas dunkles Böses.

Aber nun wieder zu meiner guten Fee. Nach dem Tod meines Vaters und meiner darauffolgenden Scheidung hatte es mir definitiv und heftig den Boden meiner Realität unter den Füßen weggezogen, so intensiv wie ich es mir in meinem kühnsten Albtraum nicht erträumt hätte. Wie sollte, man etwas träumen von dem man keine Ahnung hat, Theorie bleibt theoretisch, auch wenn wir davon träumen, gewisse Dinge muss man erleben um darüber sprechen zu können. Nun saß ich tief auf dunklen Grund, zum ersten Mal in meinem Leben auf mich selbst zurückgeworfen und fand keinen Sinn mehr. Alles war gleich in gleich getaucht, eine fahle graue Asche, die alles überzog, fühlte sich an wie mein ganz persönliches Herculaneum, verschüttet unter meterhoher Asche, lag all die Pracht vergangener Tage nun im Dunkel, erstarrt und konserviert.

Da zum Glück trat sie auf den Plan, Stichwort Plan, an dieser Stelle sei mir noch einmal ein Zitat gestattet, weil es so schön ist, es erklärt den Ursprung von auf den Plan treten. Aus dem mittelhochdeutschen, im „Parzival“ heißt es: „sus kom der fürsten ûf den plan: da wart mit riten (Turnieren) kunst getan.“

Anfänglich war mir ihre gute Tat gar nicht bewusst, ich saß ihr gegenüber, spuckte fast wöchentlich den Staub, die Asche, und den Dreck hinaus, der sich abgelagert hatte. Dunkle Asche, Hass und Wut hatten mein wahres Selbst unter sich begraben. Hass auf den Vulkan, Hass auf mein Schicksal, am meisten jedoch hasste ich mich selbst. Nach und nach Schritt für Schritt legten wir gemeinsam längst verloren geglaubte Fragmente wieder frei.

Geduldig saß sie mir gegenüber und hörte mir zu. Sie hatte keinen Zauberstab, ihr Zauber war vielmehr ihr Lachen, sie lächelt immer. So bestärkte sie mich mit der Zeit wieder an das Gute in der Welt zu glauben, sie relativierte mein Leid, zeigte mir neue Wege und ermutigte mich diesen geistigen Kreisverkehr ohne Angst zu verlassen, sie ermutigte mich letztendlich wieder „ins Tun“ zu gehen, wofür ich ihr sehr dankbar bin, sie war und ist immer da. So schmolz der Hass, die Zuversicht kam zurück und das Wissen, alles wird gut!

Vielen Dank, dafür das es dich gibt, liebe gute Fee!

© Stelio Cotugno