Ein guter Freund

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Ein guter Freund | story.one

Wie an dieser Stelle, nein auf dieser Plattform bereits gelesen gibt es Extremisten der Ordnung und Sauberkeit – hier ergreife ich das Wort die Fahne für - opposite attitude. Nicht das Sie jetzt glauben ich wäre ein Messie, obwohl bei meinen vielen Büchern und Comics. Per Definition bin ich weit davon entfernt, ein Universum dieses jedoch voller Dinge, brauchbar und weniger. Aber alles der Reihe nach.

Als Kind meiner Eltern beide in der Not und den Mangel der Nachkriegszeit aufgewachsen, haben deren DNA und die der Altvorderen bei mir eine breite Spur (Chef da ist Hummer gefahren, einer der klimaschonenden Variante) der Sammelwut hinterlassen, die Nonna hatte z.b. eine Dose, da stand in Italienisch zu lesen (Schnüre, zu kurz um benützt zu werden) darin befanden sich dann Schnüre in allen möglichen Farben, Länge und Material. Dies war nicht die einzige Dose in Ihrem Besitz!

Eines Tages ich wohnte noch zu Hause, rief mich Vater ins Bad, er öffnete den Unterschrank »Schau was die Mutter da alles hortet« der Schrank war zum Bersten voll mit Putzmittel, Shampoos, Seifen usw. Alles in drei oder vierfacher Ausführung. Mutter lebt mit der Sorge, sie ist zu Hause und es geht etwas aus. Oh Schreck auch heute noch Putzmittel, Olivenöl, Acqua minerale, alles liebevoll gehortet und wenn das dritte davon ausgeht, wird es sofort nachgekauft, damit ja kein Anflug an Mangel entsteht.

Mein Vater wiederum war verliebt in seine Blue-Jeans. Er besaß mindestens ein Dutzend, die allesamt meine Mutter für ihn gekauft, habe mein Vater sein Leben lang in kein Mode- oder Schuhgeschäft gesehen, von einer Bank ganz zu schweigen und musste er Mutter zum Einkaufen begleiten wartete er immer im Wagen, unsere Tempel des Konsums waren ihn unheimlich. Baumärkte ja die liebte er - wie gesagt ein Mann der Tat!

Eines Tages ertappte ihn meine Mutter im Garten wie er ein Loch grub, »was machst Du da?« Fragte sie ihn. Er antwortete »Ich schaufele ein Grab für meine Lieblings-Blue-Jeans, die die mir so toll gepasst hat und die mir all die Jahre so gute Dienste geleistet hat, (sie war schon -zig Mal geflickt und genäht) es ist als würde ich einen guten Freund zu Grabe tragen. Du verstehst das nicht« erwiderte er meiner Mutter gegenüber, während diese lauthals lachen musste. Ja so war er mein Vater.

Nun was hat das alles mit mir zu tun? Ich erinnere mich wie ich zu Hause oft leere Milchpackungen zurück in den Kühlschrank (Eiskasten gibts kan, sagt mein Bruder)stellte. Mutter ärgerte sich jedes Mal maßlos, während ich mir dachte, das wird sich schon legen, wenn ich einmal meinen eigenen Haushalt habe. Heute ertappe ich mich noch oft selbst dabei wie ich die leere Milchflasche zurückstellen möchte. Aber nicht nur das, oft ertappe ich mich dabei, letztens z.b. hatte ich einen kleinen Karton in der Hand und überlegte „der ist doch praktisch, den kann ich sicher einmal für etwas gebrauchen, den hebe ich auf“ aufwachen Stelio, na gut hab ihn entsorgt.

Und nun frag ich Sie, was geht Ihnen ab?

© Stelio Cotugno