ES(S-)SUCHT MUT

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ES(S-)SUCHT MUT | story.one

Begonnen hat alles damit, dass ich an dieser Stelle über meine Ess-Sucht schreiben wollte, oder besser gesagt ich wollte mich mal wieder einmal zur Sau machen. Diese Zeiten liegen jedoch zum Glück ein für alle Mal hinter mir, nicht die Sucht, aber das zur Sau machen. Nichtsdestotrotz habe ich mich dazu durchgerungen darüber zu schreiben wie es ist, wenn man soviel isst, bis einem schlecht wird. In unserer Welt gibt es Süchte und Süchte, anerkannte, weniger anerkannte, verbotene, verdeckte und das sind bei weitem nicht alle. Als Kind aufgewachsen im Süden, wie jedes oder viele Kinder wollte auch ich meine Eltern glücklich sehen. Aufgewachsen in einer Zeit wo Hunger „fast als Krankheit“ galt und alle um dich herum sich freuten, wenn du „rund und gsund“ warst, dachte ich, die Welt ist rund and so am I. Aus demselben Grund folgten am Spielplatz und in der Schule die ersten Hänseleien, virtuelle Hasstiraden und mobbing gegen "andersförmige" gab es noch nicht, die Worte, die einem in Form von Pfeilen trafen, schmerzten jedoch genauso! Essen spendet Trost.

Von Haus aus mit einem phlegmatischen (nicht unsportlichen) Charakter ausgestattet (siehe Fussballstar) haben meine Eltern oder besser gesagt meine Mutter nichts unversucht gelassen um mich auf den, wenn nicht „rechten Weg“ dann zumindest den weniger schmerzhaften, zu bringen. So liegen zahlreiche Diäten aller Art, Spitalsaufenthalte und vorausgesagte Todes-Urteile hinter mir, wie der Arzt beim Bundesheer: „Sie sind ja ein Todes-Kandidat“ das Bundesheer hab ich übrigens auch geschafft, mit damals 130 kg, von wegen Übergewicht und Untauglichkeit heutiger Tage. Danach kam die Einsamkeit, wie singt Andre Heller „Meine Damen meine Herren, i sogs wia es is „allan sei is ärger als Ratzn fressn!“

Da kommt das Essen, will mein Essen nicht beleidigen und es „Fressen“ nennen, gibt genug Länder wo gehungert wird. Also Essen war oft Wärme, Trost, füllte die Leere in mir, es machte, dass ich mich fühlte, erst wenn ich mehr als satt spürte ich etwas wie Existenz in mir. Anfänglich machte es mich und andere glücklich, solange man sich danach genug bewegt ist alles ok, wehe dem der nicht!

Essen war für mich immer mehr als Nahrungsaufnahme und als Kind ist dir, dass nicht so bewusst es stillt Sehnsüchte, nicht vorhandene oder verlorene Freunde, nach und nach tröstet es dich, wenn dich die anderen merken lassen, dass du anders bist als die anderen und nein ich meine nicht mein Dick sein. Jahrzehnte lang hat es mich anscheinend getröstet wie ein warmer Mantel während es mich umschlungen hat. Ich möchte Mut machen, in dem ich darüber schreibe, wie es mir mit meiner Sucht geht, würde mich nicht als „geheilt“ bezeichnen aber wie an anderer Stelle von anderen Autoren auf dieser Plattform bereits erwähnt, habe ich meine dunklen Dämonen nun besser im Griff, ganz werden sie wohl nicht mehr verschwinden, aber ich weiß wie sie aussehen und sie wissen ich habe sie im Auge.

© Stelio Cotugno