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Gran Premio di Napoli

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Gran Premio di Napoli | story.one

Wie viele kleine Jungs waren mein Bruder und ich ganz versessen auf schnelle Boliden. Erinnere mich an eine Diskussion, auf unseren Balkon in Neapel, wir sinnierten über Autos, die wir mal fahren würden, wenn wir erstmal groß wären. Meines konnte natürlich schon fliegen, ganz so wie die in den Film ‚Das fünfte Element‘ Es kam dann nicht ganz so, das Schicksal der zu Früh geborenen, aber wer weiß das schon, oder wie die Chinesen sagen: „Mögest du in aufregenden Zeiten leben!“ Abgesehen davon, dass es an Aufregung nie gemangelt hat, zu keiner Zeit, existierten in unserer Welt, nun mal nicht die besten, sondern die wirtschaftlichsten Lösungen. Kehren wir nun zu unserer eigentlichen Geschichte zurück bevor ich ganz ins Land der Träume, Sehnsüchte und Utopien abtauche.

Eines Tages, wir waren am Sonntag still und heimlich abgehauen, um die schnellen F3 Boliden zu sehen, die im Rahmen einer Veranstaltung in den frühen 80ern gezeigt wurden, ohne den Eltern etwas zu sagen, als Mutter das rausfand gab es nicht nur schlechtes Gewissen auf Jahre hinaus, sondern auch ein Donnerwetter, dass sich anfühlte wie ein F3 Bolide auf Slicks. Nachdem wir wieder etwas Bodenhaftung gewonnen hatten, erzählte uns Vater zum Trost seine Boliden Geschichte und die hatte es wirklich in sich.

Es war der 8. Mai 1955, Vater war gerade mal 14 Jahre alt und Autos waren damals so selten wie…

Tage zuvor hatten seine älteren Brüder ihm schon von den Plakaten und den schnellen Autos vorgeschwärmt, die beim „Gran Premio di Napoli“ an den Start gehen sollten. Wie die Strecke von Monte Carlo wurde der Gran Premio mit den damaligen F1 Boliden auf der Straße von Posillipo über 4,1 km und 60 Runden gefahren. Mit Namen wie Juan Manuel Fangio oder den unvergesslichen Italiener Alberto Ascari, die sich zu dieser Zeit ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die F1 WM lieferten.

Ascari mit seinen Lancia D50 startete beim Gran Premio aus der Poleposition. Vater und seine beiden Brüder hatten sich ebenfalls davongeschlichen und standen nun oben an der Kreuzung Marechiaro, die Rennstrecke war gesäumt von vielen neugierigen Menschen die ganz nah am Geschehen sein wollten wie Heute nur mehr bei manchen Rallye-Strecken möglich. Ascari gewann das Rennen in Abwesenheit von Fangio, nach 2 Std. 13. vor Musso auf Masarati und Villoresi ebenfalls auf Lancia.

Als der Nonno bemerkt hatte, dass sich die drei Jungs still und heimlich davon geschlichen hatten, hieß es ohne Essen, ab ins Bett und nächsten Tag musste alles wieder eingearbeitet werden am Feld, dafür hatten sie aber eine unauslöschliche Erinnerung gewonnen.

Für Ascari war es sein letzter Sieg, im darauffolgenden Preis von Monte Carlo machte er nach dem Tunnel einen Abflug und stürzte ins Meer, kam aber glimpflich davon.

Sein Leben verlor er am 26. Mai in Monza, er testete den neuen, schnelleren Ferrari, der Wagen überschlug sich in der letzten Runde. Er war auf der Stelle tot. Der Ferrari hatte Ascari zerquetscht, wie eine Maus.

© Stelio Cotugno 13.06.2020

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