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Ischia - Rudi und die Vorsehung

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Ischia - Rudi und die Vorsehung | story.one

Zu dieser Zeit gab es nicht mehr viele Gäste, zwei ältere Ehepaare, eines aus Schweden, das andere aus den Niederlanden und dann war da noch die einsame „tedesca.“

Ich war der erste, Gianni fragte mich, ob wir noch eine Partie Karten spielen während wir auf die anderen Gäste warten, ich willigte ein, er kam mit zwei Coppa del Nonno zum Tisch und sann auf Revanche siehe(September feeling) ich war unerbittlich.

Plötzlich blickten alle zu den Stufen, ich drehte mich um und sah die „tedesca“ welch ein Anblick ganz in Rot, sie trug einen leichten, wallenden Hosenanzug mit roter Bluse und roter Jacke und die dazu passenden Schuhe. Ihre schwarzen Haare wippten auf und ab als sie anmutig die Stufen hinunterkam. Aldo ermahnte uns bei Ihrem Anblick eine Jacke oder einen Pullover mitzunehmen, denn draußen am Meer wäre es kühl am Abend.

Als alle da waren gingen wir hinunter zum Steg wo wir mit drei Booten nach Ischia Ponte fahren sollten. Aldo saß im ersten Boot, Alissia stieg ein und setze sich neben ihn, ich sollte mich in die Mitte setzten wegen der Gewichtsverteilung, plötzlich, die „tedesca“ wollte gerade ins Boot, rannte Rudi den Steg entlang und als er ins Boot sprang, gab er der „Lady in red“ einen Schubs und...

sie landete genau in meinen Armen.

Während ich ihren Duft vernahm, Chanel Nr.5, blickte ich über ihre Schulter in die Augen von Alissia, wenn Blicke töten könnten. „Danke, ich heiße Elisabeth, darf ich mich zu dir setzen“, sagte die, „tedesca“ und ohne meine Antwort abzuwarten, setzte sie sich zu mir, legte ihren Arm um meine Schulter und während mein Gesicht die Farbe ihres Anzugs annahm, warf sie einen Blick zu Aldo und Alissia „mein Retter“ sagte sie. Am liebsten hätte ich meinen Kopf ins kalte Nass getaucht während Aldo mich ansah mit einem Blick zwischen „du Glückspilz“ und „Junge da geht was“ ich kannte diesen Blick von meinem Vater, es war dieser „la mano morta“ Blick.

Als wir ablegten, drehten wir uns um, ich war froh, der Blick Alissia blieb mir so erspart und der frische Fahrtwind kühlte mein Gesicht. Elisabeth hatte mittlerweile Ihren Kopf an meine Schulter gelehnt und die Hand auf mein Bein, ich dachte von wegen „la mano morta.“ Als meine Fassung halbwegs wieder auftauchte aus den unendlichen Tiefen des Herzens, fragte ich sie woher sie kam, was sie beruflich macht und ja ich weiß das schickt sich nicht, aber ich fragte sie auch nach ihren Alter.

Sie sagte, sie sei aus Frankfurt, arbeite in einer großen Werbeagentur als Artdirektorin und sie sei 42. Ich war 22. Sie hatte einen wunderschönen Körper und sie wusste was sie wollte. Wir verbrachten zwei Tage und drei leidenschaftliche Nächte zusammen. Als Sie sich am Mittwoch mit einem Kuss und einem zart gehauchten „Grazie per tutto“ verabschiedete wusste ich, die Elisabeth werde ich nie vergessen.

Ach ja die Prozession, ja die war angeblich wunderschön, ich habe nur das große Feuerwerk zum Schluss wahrgenommen und Alissia, die würdigte mich keines Blickes mehr bis zu meiner Abreise.

© Stelio Cotugno 11.04.2020

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