Italienische Männer sind anders!

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Italienische Männer sind anders! | story.one

Das letzte Mal als ich wieder Mal bei „Mamma“ war, sie ist mittlerweile 83 und freut sich immer, wenn wir zusammen sind. Also das letzte Mal sagte sie plötzlich und unerwartet „italienische Männer sind anders!“ Ich erwiderte, wie meinst du das? Sie lebt seit dem Tod meines Vaters vor 10 Jahren alleine, anfangs war es sehr schwer für sie nach seinem Tod, sie waren 42 Jahre verheiratet und haben immer alles gemeinsam gemacht, alles besprochen und führten eine Partnerschaft wie aus dem Bilderbuch, ganz nach dem Motto... und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch Heute. Leider gibt es so etwas nur im Märchen, hier auf Erden hat alles einen Anfang und ein Ende.

Seit diesem Ende meines Vaters, hat meine Mutter einen Teil ihrer Selbst verloren, wen wundert es. Aber nach zehn Jahren hat sie gelernt das Beste daraus zu machen, auch wenn sie weiß mit ihm wäre es besser, nun zurück zum Thema. Auf meine Frage wie sie das meinte, dass italienische Männer anders seien, sagte sie, sie wären vielfältiger, kultivierter und würden so eine Grundwärme ausstrahlen, und sie hätten einen ganz anderen Horizont, mein Vater war weit gereist als Seemann und hatte viel gesehen in einer Großstadt wie Neapel und obwohl in einer armen Familie aufgewachsen hat er, nein alle sechs Kinder so viel Herzensbildung mitbekommen.

Er war die körperlich gewordene Manifestation von Respekt, Liebe und Vertrauen, so meine Empfindung als Sohn, für meine Mutter war er noch viel mehr! Und es war bei weitem nicht so eine Partnerschaft wo jeder sich verliert im anderen, nein sie machten alles gemeinsam, teilten alles und doch war es diese Art Liebe, die mehr wird, wenn man sie teilt. Sie sagte er sei so humorvoll gewesen und man konnte von ihm alles haben, das schönste jedoch war wohl jemandem zu haben der einem auf Augenhöhe begegnete, da gab es kein dein und mein, kein das machst du und das ist meine Aufgabe. Sie hatten in all den Jahren eine echte und gemeinsame Partnerschaft aufgebaut, aufgebaut auf Vertrauen, Liebe und Respekt. Respekt nicht nur dem anderen gegenüber, sondern für das ganze Wesen einer Partnerschaft, nicht nur die zwischen Mann und Frau, nein auch die zwischen Vater und Sohn, zwischen Freunden, eine ganz eigene Sicht auf die Welt. Eine eigene Mentalität, Form der Kommunikation.

Vater hätte in der Öffentlichkeit gewisse Dinge nie gesagt, (er hat sie auch Zuhause nicht gesagt) einfach, weil ein Mann, ein echter italienischer Mann von seiner Mutter „la Mamma“ gelernt hat, so etwas tut oder sagt ein Mann nicht! Also meine Mutter diesen Satz über italienische Männer sagte, dachte ich mir und das sagt eine Österreicherin, wenn das kein Kompliment für jede italienische Mutter ist, für den Mut und die Herzensbildung die jede Mutter ihrem Kind auf der ganzen Welt mitgibt. Und still dachte ich in Gedanken für mich, wie schön ist es geliebt zu werden – ich kann nur eines sagen das wichtigste, dass Kinder brauchen ist Liebe!

© Stelio Cotugno