Kindheit in Neapel

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Kindheit in Neapel | story.one

Zu den Feiertagen habe ich einige Tage bei meiner Mutter verbracht und wir haben viel über alte Zeiten gesprochen. So auch über Kindheit, über „GA“ und wie es kam das ich einer hübschen jungen Dame in den Allerwertesten gebissen habe.

Aber alles der Reihe nach.

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt habe ich erst mit etwa drei Jahren zu reden begonnen, davor hatte mich meine Mutter mit gemischten Deutsch-Italienisch nur verwirrt. Auch bewegungstechnisch gesehen war ich kein Frühstarter, wenn es etwas gibt, dass in Opposition zu „Hyperaktivität“ steht dann traf das voll auf mich zu.

Die Versuche meiner Mutter mich mit neun Monaten zum Sitzen und krabbeln zu bewegen, waren kläglich gescheitert. Meine Qualitäten sollten sich andernorts entfalten. Mit eineinhalb Jahren kam GA zur Welt, mein Bruder. GA war die oben erwähnte Opposition zu mir, wie ein Fisch im Aquarium lief und sprang er bereits mit neun Monaten im Gitterbett herum und sprach sang und schrie immer GA. Wenn irgendetwas war mit GA lief ich zu meiner Mutter zog sie am Rockzipfel: „GA“ da wusste sie mein Bruder ist wach.

Ein anderes Mal auf Ischia. Wir gingen einkaufen mit unserer Mutter. Der erste Weg führte uns zum Metzger, dieser hatte draußen ein großes Kuhfell gespannt, ich fragte unsere Mutter und sie erklärte uns, dies sei das Fell einer Kuh. Na gut, soll sein… wir gingen weiter als ich eine Dame erblickte und ganz laut und freudig sagte:“Schau Mamma die Signora hat auch ein Kuhfell an!“ Die Signora drehte sich um und warf uns einen echauffierten Blick zu, immerhin trug sie einen teuren Pelzmantel und kein Kuhfell.

In Neapel wohnten wir auf der Via Manzoni im Stadtteil Posilippo. Wie in ganz Italien üblich bekommt man die Dinge des täglichen Lebens gleich in seiner direkten Nähe. Bei so einem Einkauf trug es sich zu, aufgrund der Konkurrenz (GA) und der Klarheit meiner Mutter war ich der Sprache mittlerweile mehr als mächtig. Dreijährig hatte ich nun die Angewohnheit mit nach hinten verschränkten Armen hinter unserer Mutter herzugehen, im Beobachtungsmodus.

Mutter kauft beim „Fruttivendolo“ (Obst-Gemüsehändler) einem Kilo Äpfel, die Papiertüte segnete aufgrund des Gewichts das Zeitliche und die Äpfel fallen zu Boden. Der Fruttivendolo sah mich an als ich ihn beobachtete wie er die Äpfel aufhob und sagt:“komm hilf mir doch mal...“ da antwortete ich wortgewandt: “erstens arbeite ich nicht für dich und zweitens sagt man Bitte!“ Und das von einem dreijährigen, da zeichneten sich die ersten Konturen ab…

Ach ja der Biss ins Hinterteil! Wie es scheint, war mir eine Vorliebe für Ästhetik in die Wiege gelegt, ich liebe Rundungen aller Art. Wir waren alle baden direkt in Neapel. Der Strand war ziemlich voll und neben uns lagen zwei Junge Frauen bauchlings vertieft in ihren Büchern. Plötzlich ein Aufschrei Stelio hatte einen Moment der Unaufmerksamkeit genutzt war zielstrebig zu der jungen Dame nebenan gekrabbelt um ihr genußvoll in den schönen runden Hintern zu beissen.

© Stelio Cotugno