September feeling

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September, Ischia, das Meer erstrahlt in Schattierungen aus Azurblau über glasklar fast weiß, bishin zu gleißenden Lichtblau. Der Blick reicht bis auf den Grund, ein Paradies für Schnorchler. Die Sonne hoch am Himmel strahlt nach wie vor stark, jedoch mit der Melodie eines sich ankündigenden Herbstes. Mitte September strahlt sie in dieser ganz eigenen, melancholischen Stimmung, während das Blau der nahenden Dämmerung den Himmel in feine rot-violette Töne taucht und sie am Horizont langsam untergeht. So klingt der Tag aus, September feeling. Sitze auf der Terrasse, trinke cafe und spiele Karten mit Gianni. Als er abermals verliert, steht er auf und entscheidet sich freiwillig für den Putzdienst, lachend und mit einem Wink "it's No Good" verabschiede ich ihn in die Küche.

Mitte September ist die Zahl der Gäste hier recht übersichtlich, während ich einen Schluck Vino bianco genieße kreuzt mein Blick sich kurz, mit dem einer Dame, die ebenfalls alleine an einem Tisch sitzt und in den Sonnenuntergang blickt. Ihren schwarzen Augen, Sehnsucht gepaart mit einer Prise Einsamkeit.

Aldo kommt mit der jungen Kellnerin aus der Küche und sie setzten sich zu mir. Wir unterhalten uns, Alissia so heißt die junge Dame erzählt, dass sie ursprünglich aus Catania kommt, da sie dort jedoch keine Arbeit fand, wollte sie nach Norden und landete hier und obwohl es im Sommer sicher sehr hektisch sein kann, denke ich mir im Stillen es gibt schlimmeres. Nachdem sie meinen Zeichenblock mit Skizzen durchgeblättert hat, ringt sie mir mit einem verschmitzten Lächeln das Versprechen ab, sie zu porträtieren.

Nächsten Tag, gegen acht, Handtuch über die Schulter, Zeichenblock unter den Arm setze ich mich an einen Tisch wo bereits frischer Kaffee und das Frühstück auf mich warten. Buongiorno grüße ich die Dame, die heute ganz in Schwarz gekleidet, schwarze Haare, schwarze Sonnenbrille CC. Zögerlich und nicht akzentfrei kommt Ihr Buongiorno zurück. Da kommt auch schon Alissia aus der Küche, mit einem strahlenden Lächeln begrüßt sie mich und meint, ob wir dann gleich das Porträt machen könnten, denn zu Mittag müsste sie dann wieder helfen. Als sie nach dem Frühstück mir gegenüber sitzt, beginne ich die Zeichnung mit Ihrer Silhouette. Aldo sagt, er käme gleich wieder, er würde nur die "tedesca" die einsame Dame in Schwarz mit dem Boot nach Ischia Ponte fahren. Unter zahlreichen Blicken über meine Schulter, alle kommen sie "zufällig" vorbei, werfen einen Blick auf meine Zeichnung und mit einem "e allora sei veramente bravo" entsteht nach und nach Alissias Porträt. Ungeduldig will sie schon einen Blick darauf werfen. Als ich fast fertig bin, ist auch Aldo wieder zurück, er sieht das Bild und meint, die Zeichnung wäre ja schöner als Alissia.

Das Porträt ist fertig, ich übergebe es Ihr, sie wirft einen Blick darauf erstrahlt über das ganze Gesicht plötzlich und unerwartet küsst sie mich, ich werde rot wie eine Tomate während alle lauthals zu lachen beginnen.

© Stelio Cotugno