Sie nannten ihn Schnitzel

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Sie nannten ihn Schnitzel | story.one

Wir schreiben die frühen Achtzigerjahre des zwanzigsten Jahrhunderts, der erste WALKMAN war gerade auf den Markt gekommen, Björn Borg gewann wieder einmal Wimbledon und die French Open. McEnroe, ein Rebell, geniales Spiel, sein eigener, größter Feind am Centercourt. Talent und Beständigkeit sind Tugenden die nicht oft Hand in Hand gehen.

Schnitzel hatte bereits im zarten Alter von sechs Jahren zum Tennisschläger gegriffen. Was als Spiel begann, wurde bald ernst, es galt sich zu beweisen. Bereits sein erstes Turnier, weckt den Ehrgeiz in ihm den Beweis anzutreten, ich spiele besser als die anderen.

Wie so oft kommt vor dem Erfolg der Durst und die Frustration, wer da keinen Durchhaltewillen beweist, lässt den Tennisschläger, Tennisschläger sein und sucht sich andere Gefilde um sich zu beweisen, aber nicht so Schnitzel.

Schnitzel will sich und vor allem den anderen beweisen, ich bin gut, ich kämpfe und jeder der gewinnen will, muss bei mir vorbei und ich werde es ihm nicht leicht machen. Natürlich findet auch Schnitzel seinen Meister, doch wenige sind mit seiner Ausdauer, Beharrlichkeit und den Willen zum Sieg, ausgestattet. Jede Niederlage machte ihn stärker, er schwor sich, nächstes Jahr gewinne ich auch gegen diesen Gegner. So manch ein Gegenspieler gesegnet von der Vorsehung mit Talent und Willen zerbrach über die Jahre an dieser Mauer, oder räumte den Platz. Nun fragen Sie sich wie er zu seinen Namen kam?

Als die Erwachsenen diesen kleinen, etwas pummeligen, immer lustigen kleinen Jungen am Tennisplatz fragten was denn seine Lieblingsspeise sei, antwortete er Schnitzel.

Dann kam die Pubertät, das Schicksal schlägt auf, die Hormone spielen verrückt. Schnitzel mittlerweile einen Meter neunzig groß und Hundertfünfzig Kilogramm Lebendgewicht. Dieses Gewicht nach vor und wieder zurück, von links nach rechts zu wuchten ist ein Unterfangen, dass nicht von langer Dauer gekrönt und für jeden Sieg bzw. Höhenflug kontraproduktiv. Schon mal ein dickes Flugzeug gesehen? Die Gegenspieler lachen, doch nur solange sie nicht in den Genuss eines harten Aufschlags und der geraden Vorhand gekostet haben. Wer glaubt, dass die Geschichte hier endet, der irrt! Break Schnitzel!

Das Ziel im Auge, Wille und Beharrlichkeit im Hinterkopf, reift ein Gedanke in den jungen Mann ″never give up!″ Es folgt, ein Jahr Kampf, die Waage zeigt minus sechzig Kilogramm, Ausdauer, Muskel und Technik führen ihn erneut zurück auf den Tennisplatz, besser denn je. Und der Name Schnitzel?

Nun als der junge Mann sieht, unter welchen unmenschlichen Bedingungen aus Schlachtvieh Schnitzel werden, schwört er sich unter Tränen, nie wieder Schnitzel! So oder so. Mittlerweile sind die Jahre vergangen, viele Siege und Pokale bezeugen sein Können und seine Ausdauer. Er ist mein Bruder, Tennis Instruktor und -Lehrer. Nur Schnitzel sagt heute niemand mehr zu ihm!

© Stelio Cotugno