Un Palazzo a Napoli

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Un Palazzo a Napoli | story.one

Wir betraten das Grundstück durch einen großen Torbogen, der in das innere einer Parkanlage führte. Inmitten dieser Anlage, war ein großer Betonring angelegt, der es einem ermöglichte die ganze Pracht und Vielfalt an Pflanzen zu bewundern.

Im Zentrum des Ringes erhob sich eine großgewachsene Palme den Himmel empor. Sie zog durch ihre imposante Größe und majestätische Erscheinung, gleich meine volle Aufmerksamkeit und Bewunderung auf sich, ohne jedoch, nie außer Acht zu lassen, dass dies ihre natürliche und unwiderrufliche Gestalt war. So schien sie wie die Hüterin dieser Anlage zu sein, die von oben herab alles überblickt, jedoch auf das Geschehen und Treiben unten keinen Einfluss nehmen kann.

Ich folgte meinen Onkel über die Terrasse, ein paar Stufen hinunter, zu einer zweiten Ebene, welche etwas kleiner, jedoch der ersten Ebene an Anmut und Pflanzenvielfalt um nichts nachstand und obwohl ich ahnte, dass diese Anlage sorgfältig geplant war, stand sie mit Ihrer Umgebung völlig im Einklang. Nun kamen wir zu einem großen Torbogen, von dem aus eine lange Reihe an Stufen hinunter zu dem im Dunkel liegenden Portal führte. Das Portal war eine kleinere Kopie des obigen Torbogen, versehen mit einer großen massiven Holztüre. Mein Onkel klopfte an und nach kurzer Wartezeit öffnete uns ein freundlicher Herr mit Brille.

Er lächelte, umarmte meinen Onkel und stellte sich als Signore Lampispada, seines Zeichens Bauherr und Architekt, vor. Es freue ihn sehr, uns, oder besser gesagt mir eine Führung durch den Palazzo zu bieten. Zio Enzo kannte ja sowohl den Palazzo als auch sein Inneres bereits, war es doch jahrelang auch seine Wirkungsstätte. Als wir durch einen kleineren Vorraum den großen Saal betraten, blieb ich sofort mit großen Augen und noch größerem Erstaunen stehen. Ich hatte noch nie so etwas Fantastisches gesehen, weder davor, noch 30 Jahre danach, nie wieder. Der große Saal diente als Architekturbüro, überall standen Schreibtische, Zeichentische mit Menschen die in ihre Arbeit vertieft waren. Eine Kathedrale der Kreativität.

Die Zwischendecken waren nicht mehr vorhanden, der Palazzo hatte einmal vier Zwischengeschosse die nun fehlten. So war der Blick nun frei bis zur Decke. Dies war imposant aber noch nicht wirklich außergewöhnlich. Was diesen Saal so außergewöhnlich machte, war das Sammelsurium an den Wänden. Voll bis zur Decke. Da gab es eine Menge an maritime Objekte, Anker, Tauchhelme, ein kleines edles Ruderboot, von der Decke hing über eine Kette ein Stativ in den Saal mit einem riesiges Messing Fernrohr. Surfbretter, Korallen in allen Farben und Größen, antike Amphoren, umrandet von alten Bildern mit Ansichten von Neapel, Pompeji, den Vesuv, Fotos. Alles in einem wilden Durcheinander, nichts folgte einer gewissen Ordnung, ganz im Gegenteil. Durch dieses kreative Chaos war dieser Saal, durchflutet mit einer positiven und kreativen Energie. Ich habe dieses Erlebnis nie wieder vergessen.

© Stelio Cotugno