Z - wie Zechenland

  • 151
Z - wie Zechenland | story.one

Sommer 82. Der erste Urlaub in Österreich, den sich unsere Eltern leisten, seit wir 1977 nach Österreich gekommen waren. Wie so oft, wurde es eine spontane Reise, unser Vater Navigator der Landstraßen, im Opel Kadett (Vater liebte Opel) die Fahrt ins Blaue endet letztendlich beim tiefen Blau des Attersee. Uns Jungs schwante böses, Tennis- und Fußballplatz hinter uns wissend fürchten wir vierzehn Tage pure Fadesse. Die Eltern finden einen Bauernhof in einem kleinen Ort am Attersee. Urlaub am Bauernhof auch, wenn das damals werbetechnisch noch nicht so genannt wurde. Hoffentlich gibt es einen Fernseher.

Ein alter Bauernhof, viel Holz, große Stube mit einem „Herrgotts Winkerl“ über eine große Holzstiege ging es hinauf in die Zimmer. Mein Bruder und ich hatten ein Zimmer für uns, massive Holzbetten mit riesigen Pölstern und Tuchenten, aber weit und breit kein Fernseher, dafür einen großen Tiroler Balkon aus massiven Holz. Ich fühlte mich wie der Ziegen Peter beim Besuch vom Almöhi und der Heidi. Die Familie hatte den Hof, mit Kühen und Almwiesen. Als Zusatzverdienst vermieteten Sie Zimmer mit Frühstück und Familienanschluss wer wollte, wir wollten. Am See gab es einen eigenen Zugang mit einer Badehütte und einem Steg, hinaus aufs Wasser.

Den Tag verbrachten wir am See oder unternahmen Ausflüge. Nachmittags saßen wir mit der Familie zusammen am Tisch vor dem Haus. Der Altbauer erzählte vom „Dreckswind“ der manches Mal von den Bergen hinunter blies. Er war jenseits der 90 Jahre, eine Virgina im Mundwinkel und seine Krachlederne an, schwor auf seinen Kräuterschnaps und die selbst angesetzte Arnika Tinktur. Die Familie hatte drei Kinder, die in etwa in unserem Alter waren. Sie zeigten uns den Stall mit den Kühen, jeden Tag gab es frische Butter, Eier von den Hühnern des Nachbarbauern und frische Milch. Eines Morgens kam Klausi mit einem Becher zu mir und sagte:“Kost!“ Ich folgte seiner Aufforderung und trank den Inhalt des Bechers leer. Klausi fing laut zum Lachen an, lief in die Stube und sagte: „Der Stelio ist blöd, der hot grod an ganzen Liter Obers ausgsoffn!“

Die zwei Mädels Annemarie und Lisa, waren auch immer mit von der Partie. Wir lachten viel, waren jeden Tag unterwegs, im Wald, gleich hinter dem Haus durch glasklare Bäche mit Krebse und Forellen. Auf der Flucht, um Hilfe schreiend, zerstochen von Erdwespen, die uns bis zum Hof verfolgt hatten. Arnika und viel lachen halfen auch hier. Den nächsten Nachmittag beschlossen wir beim Hof zu bleiben. Klausi machte den Vorschlag: „Spüln wa Stadt, Land, Fluss!“ Gesagt, getan holte er ein paar Zetteln und Bleistifte aus der Küche. Die Wahl fiel auf den Buchstaben „Z.“ Alle waren fast fertig, Klausi fehlte nur mehr ein Land, als er plötzlich aufschrie: „Ha i hobs, Zechenland!“ Unter lauten Gelächter einigten wir uns alle, dass es so ein Land nicht gibt! Die 14 Tage vergingen wie im Flug ein sehr schöner Sommer – auch deshalb, weil Italien 1982 Fußball Weltmeister wurde.

© Stelio Cotugno