Brot

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Brot | story.one

„Wie hätten Sie es denn gerne? Am Stück oder geschnitten?“ „Am Stück, bitte!“ ist meine Standardantwort beim Brot kaufen auf die Standardfrage der Bäcker.

Zu Hause hatten wir eine Brotschneidemaschine, die man aus der Schublade herausklappte. Der Mechanismus faszinierte mich als Kind. Allein deshalb schnitt ich gerne alles vor, was sich in Scheiben schneiden ließ. Bei uns üblicherweise auch Wurst und Käse. Die meine Eltern immer in riesigen Blöcken vom Großmarkt mitbrachten. Mit dem Erfolg, dass das Brot nach Salami schmeckte und die Wurst nach Käse.

Das machte nichts. Denn das Meiste war ohnehin schnell vertrocknet. Vor allem das eckige Kastenbrot, das es bei uns zu Hause oft gab. Das sogenannte Komissbrot. Einfaches, billiges Soldatenfutter. Extra haltbar. Und trotzdem hart, bevor es von der siebenköpfigen Familie gegessen worden war. Vielleicht bin ich auch deshalb, frei nach James Bonds „Geschüttelt! Nicht gerührt!“ eher so der Am-Stück-Nicht-geschnitten-Typ.

Rund muss ein Brot für mich sein. Und nach Brot duften. Am liebsten nach Sauerteig. Und eine möglichst dunkle Kruste haben. Fast schwarz. Wie ein Steinofenbrot. Mit dem die Geschichte des Brot backens begann. Denn die ersten Öfen bestanden lediglich aus einem runden Topf, der auf einen heißen Stein gestürzt wurde. Ein runder Brotlaib hat für mich etwas Vollkommenes.

Auch das Brot anschneiden am Morgen ist für mich ein Ritual. Wenn ich das Brotmesser möglichst sorgsam an der Kruste ansetze. So, dass die Scheibe nicht zu schmal und nicht zu dick wird, sondern genau richtig. Dann ist es, als würde ich damit den Tag begrüßen. Und der Tag mich. Das morgendliche Brot anschneiden zeigt mir, worauf es ankommt. Essen, Trinken, Schlafen. Damit fängt alles an. Das Leben. Jeder Tag. Ohne das ist Nichts.

Für unser Brot habe ich unlängst eine Zirbenholzdose bei einem Drechsler in Südtirol bestellt. Er hat sie extra für uns gedrechselt und über die Alpen ins Rheinland geschickt. Sie sieht nicht nur sehr schön aus. Wie ein flaches Butterfässchen. Sondern das Brot hält darin auch besonders lange. Die Zirbelkiefer wächst auf 1300 Meter bis 2850 Metern Höhe und kann bis zu 1000 Jahre alt werden. Ihr Holz hat einen besonderen Duft. Und sein Aroma überträgt sich auf das Brot, man kann es leicht schmecken.

Das Wort Zirbe leitet sich möglicherweise vom mittelhochdeutschen zirben ab. Was so etwas heißt wie 'wirbeln' oder 'sich im Kreise drehen'. Wenn ein Morgen gut beginnt und ich den Brotlaib aus der Zirbenholzdose hole, um ihn anzuschneiden, rundet sich der Tag.

Das ist der Grund, warum ich beim Brot kaufen auf die Frage der Bäcker auch in Zukunft immer dieselbe Antwort geben werde:

„Wie hätten Sie es denn gerne? Am Stück oder geschnitten?“ „Am Stück, bitte!“

© Stella 17.07.2019