Erlkönigs Tochter

Mein Fuß tut weh, ich muss fast hinken,

Ich glaub, ich muss vor Scham versinken.

Doch lauf ich weiter im Klageverbot,

Die Fichten sind dunkel, meine Stiefelchen rot.

Vater, lauf mir doch nicht so schnell davon!

Für Schmerzen hast Du immer nur Hohn.

Dreh Dich um, damit Du mein Weinen siehst,

Von meinen stummen Lippen liest.

Viel zu spät ziehst Du mir den Stiefel vom Bein:

Was nicht sein darf, kann auch nicht sein!

Ein Nagel durch die Sohle blitzt,

Mein Fuß ist blutig eingeritzt.

Bin immer noch das kleine Kind

Für meine eignen Schmerzen blind.

Wo bist Du nur, Vater, siehst Du mich nicht?

Die Wunde brennt, der Nagel sticht!

Bis ich endlich Dein Schweigen versteh‘:

Du siehst mich erst, wenn ich mich selber seh!

Die Stiefel werf ich weg, ich brauch sie nicht.

Lauf barfuß Richtung Sonnenlicht,

Geh so langsam, wie es mir entspricht,

Mein Horizont ist meine Sicht.

© StellaArtois