Fischstäbchen vs. Tiefkühlbaguette

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Fischstäbchen vs. Tiefkühlbaguette | story.one

Heute darf ich Euch einen Schwank aus meiner, tatsächlich noch nicht allzu lange vergangenen, Zeit im Studentenheim zu Gemüte führen. Was diese Zeit so besonders macht? - Es ist wohl eine Mischung aus exzessivem Zelebrieren des Lebens und der Heiterkeit sowie der Gemeinschaft und dem Miteinander. Miteinander vor allem darum, weil einem gute 10 m² zwar grundsätzlich genug Platz zum Leben bieten konnten, zum Duschen, fürs tägliche Geschäft, aber auch zum Kochen musste aber dann dennoch das traute "Eigenheim" verlassen werden. Am Abend traf man dann regelmäßig andere StockwerksbewohnerInnen in der gemeinsamen Küche und man konnte anhand der kulturellen Durchmischung vielfältige Gerüche und kulinarische Impressionen aus aller Welt hautnah und mit allen Sinnen miterleben.

Die speziellen Kochkünste eines werten Mitbewohners werde ich wohl, vor allem aufgrund eines vielfältigen und äußerst abwechslungsreichen Speiseplans, nie vergessen. Während Andere ein Festmahl nach dem anderen kredenzten, gab es für besagten Kollegen zwei Varianten der täglichen Mahlzeit. Zum einen tiefgekühlte Fischstäbchen, fertig zubereitet in der Pfanne, zum anderen tiefgekühles Pizzabaguette, mit Backpapier (Mit Abstand das wichtigste Kochutensil im Studentenheim, um das Backblech in keiner Situation berühren zu müssen!) im Rohr zubereitet. Dieses tägliche abendliche Ritual zog sich über ein ganzes Semester und noch länger und war bald im gesamten Studentenheim in aller Munde. Eines Tages aber packte unser Nachbar seine Sachen und zog weiter, wie sich jedoch herausstellte nicht freiwillig, sondern aufgrund der Missachtung der hygienischen Richtlinien im Studentenzimmer. Der Geruch von Fertigfischstäbchen und Tiefkühlbaguette ist uns dann für eine längere Weile nicht abgegangen. Ach, wie ich die Zeit im Studentenheim, mit all den Vorzügen, aber auch Schattenseiten, vermisse!

© Stephan Lehner 18.04.2020