Wenn Liebe weh tut

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Wenn Liebe weh tut | story.one

Ich schreib´s mir von der Seele. Eine Geschichte die trotzdem nie ganz vergessen sein wird.

Als kleines Mädchen habe jeden Tag mit meinen Barbiepuppen gespielt. Am liebsten Märchen, Aschenbrödel und Dornröschen. Die Puppen waren mein Heiligtum. Ich habe sie mit Essen, Trinken und schöner Kleidung versorgt. Das Spiel war meine Welt, der Platz für mich, für meine Träume und Gefühle.

Meine Märchen lebten später weiter in meiner Suche nach dem Prinzen auf dem weißen Schimmel. Der kam aber nie.

Anstatt dem Prinzen kamen Männer mit Autos. Einer nach dem anderen entpuppte sich als leere Verpackung. In mir begann alles an meiner Theorie zu zweifeln. Wo war er der Prinz? Wo hat er sich versteckt?

Nach einer gescheiterten Beziehung kam wieder ein Mann. Nicht mein Ideal. Aber was soll´s. Er machte mir das Leben sehr leicht. Das tat gut. Er bemühte sich so sehr um mich, dass es fast unheimlich war. Aber komisch, irgendwas im mir sagte immer wieder: "Da stimmt was nicht". Ich habe dieser Stimme nicht vertraut. Es war zu angenehm verwöhnt zu werden.

Wider meinem Gefühl bin ich zu ihm gezogen und es begann eine Zeit, die schwer zu begreifen ist. Aus dem Hofieren wurde ein Niedermachen. Aus dem Zuhören wurde ein Anschreien. Aus Offenheit wurde Fernsehen mit: "red mich ja nicht an". Immer öfter zeigten sich Phasen der Depression über Wochen hinweg.

Eines Tage nahm alles eine ganz andere Wendung. Es kam zu einer Auseinandersetzung. Als der Streit eskalierte, schlug er zu.

Ich verkroch mich mit Übelkeit und Benommenheit, "ist das jetzt wirklich passiert?". Ich konnte es kaum glauben. Ich weinte die ganze Nacht. Schlaflos plante ich was zu tun war. Stück für Stück habe ich meine Sachen zu einer Freundin gebracht, den richtigen Zeitpunkt abgewartet und dann gegangen.

Stunden später, als ich weg war, kamen seine Anrufe. Ich war weg nicht begreifbar für ihn. Bis zu diesem Tag war ich der Meinung, dass man mit jedem Menschen vernünftig reden kann. Aber hier wurde ich eines Besseren belehrt. Wenn jemand beschließt, einen anderen Menschen zu besitzen hast du ein Problem. Du bist dann sein Eigentum. Ohne wenn und aber.

Nach einer Phase mit Anwälten, Gesprächen und Schlichtungsstellen, kam eine Phase der Reue.

Meine heile Welt im Kopf, gehe ich auf neue Versprechungen ein. So habe ich etwas getan, was ich vorher zutiefst verurteilt habe. Ich habe es nochmals probiert. Aber was soll ich sagen. Lehre daraus: Menschen ändern sich nicht. Nach zwei weiteren Verletzungen und einem langen Leidensweg, hat sich das Ganze, dank weiblicher Strategie, aufgelöst.

Ich begreife heute noch nicht, wie es so weit kommen konnte bzw. wieso?

Eines habe ich aus dieser Zeit mitgenommen: mein Gefühl war immer richtig. Dem zu vertrauen, wäre der richtige Weg gewesen.

Mir war bis dahin nicht klar, dass "Mein" Bedürfnis nach Liebe und endlich Anzukommen, soviel Schaden anrichten kann.

Die Nachwirkungen sind groß: seelisch und körperlich.

Aber: die Hoffnung stirbt zuletzt.

© Stern1801