Der Beckenrandpinkler

Schwimmen gehen macht sehr viel Spaß, besonders der Besuch in einer warmen Therme.

Das dachte sich auch Blanka. Sie besuchte mit ihrer Familie, das sind drei Kinder und ihr Mann, die Therme Oberlaa in Wien. Diese schien die richtige Location für folgendes Ereignis zu sein:

Sie lösten eine Eintrittskarte für zwei Stunden und um kein Geld zu verschenken, verbrachten sie die ganze Zeit im Wasser.

Da wollte einmal die einjährige Lisa auf die Toilette. Meine Bekannte nahm das Kind an der Hand und ging die endlos erscheinenden Gänge entlang, bis sie an der Toilette ankamen.

Kind aufs Klo gehievt und dann wieder den ganzen langen Weg zurück.

Schnell wieder ins warme Wasser, um sich zu entspannen. Da wollte nach fünf Minuten der zweitgeborene, dreijährige Sohn aufs Töpfchen.

„Kommst du auch gleich mit auf die Toilette?“, fragte sie ihre siebenjährige Tochter Sabine, die jedoch verneinte.

"Vielleicht musst du auch, komm gleich mit!“, ermutigte die Mutter und nahm an der linken Hand den Sohn und an der rechten ihre Tochter, die eher unfreiwillig mit geschliffen wurde.

Wieder den endlos langen Gang entlang! Toilette, Sohn drauf, bei der Tochter kommt nichts, egal! Wieder alles retour: Gang, Becken, warmes Wasser!

Nach gerade mal einer akademischen viertel Stunde meldete sich dann doch die bis zum Rand gefüllte Blase der ältesten Tochter.

"Mama ich muss aufs Klo!"

„Echt jetzt? Wir waren gerade dort und da hast du nicht müssen!“, antwortet die Mutter etwas vorwurfsvoll und auch überrascht über die plötzlich gefüllten Organe ihrer Nachkommen.

„Ja, aber da musste ich auch nicht! Aber jetzt muss ich!“, bestand das Mädchen.

„Na gut! Dann gehen wir halt wieder auf Klo. Muss noch jemand?“ Ernst

schaute sie in die Runde ihrer jungen Familie, die im Thermalwasser auf und ab trieb.

Kopfschütteln.

Raus aus dem Wasser, Gang, Klo, Gang, Becken!

„So! Jetzt sind alle gegangen, jetzt kann ich endlich das herrliche Wasser geniessen!“, dachte sich die dreifache Mutter heimlich.

Die Rechnung hatte sie aber nicht mit den tüchtigen Bläschen ihrer Küken gemacht.

„Mama! Ich muss pinkeln!“, vertraute ihr der Dreijährige nach nur weiteren zehn Minuten an.

Völlig entnervt und gegen ihre eigene Überzeugung fand sie blitzschnell eine Lösung:

„ Ja, dann mach halt ins Becken!“

Der Junge stieg aus dem Becken, stellte sich an den Beckenrand, zog sich die Badehose runter und pinkelte in hohem Bogen gelb ins 28 Grad warme Thermalwasser.

Meiner Kollegin wurde erst jetzt die Tragweite ihrer Kurzschlusslösung bewusst! Sie lief knallrot an, vielleicht auch wegen des warmen Wassers, das kurzzeitig auf 36,5 Grad stieg.

Die Badegäste waren nicht sonderlich erfreut, verhielten sich aber verständnisvoll. Keine Mutter wollte mit ihr tauschen!

Stoppen konnte sie ihr Kind nicht mehr, dafür war alles schon im Fluss.

Am liebsten wäre sie auf Tauchstation gegangen.

„Du hast ihm ja gesagt, er soll ins Wasser machen!“, kommentierte der Vater trocken das Geschehen.

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