Der unsichtbare Feind

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Der unsichtbare Feind | story.one

Mit bloßem Auge kannst du diese Viecha net sehn. Das wird mich schon nicht treffen, dachte ich. Ein paar Wochen später juckte es meinem Partner am Bein. Er kratzte sich bis seine Beine blutig waren.

„Ich glaube, mich beißen Spinnen!“, vermutete er, wir saugten eine Spinne weg, die es sich in unserm Schlafzimmer gemütlich gemacht hatte.

„ Izzy bizzy spider...!“ sang ich und lachte als es ihm wieder juckte.

Das Lachen sollte mir die nächsten Wochen vergehen!

Wir fuhren zum Arzt, er zeigte seine Beine und ich erklärte:“ Im Kindergarten haben wir einen Krätzefall! Ist es die Krätze?“

„Es ist eine Milbe. Scabies. Ich verschreibe ihnen gleich beiden die Creme. Bitte den ganzen Körper damit eincremen und 10 bis 12 Stunden einwirken lassen. Danach alles mit 60 Grad waschen!“

So schlimm schien es nicht zu sein. Auf meinem Bauch war nur ein kleiner Punkt. Wir cremten uns ein und am nächsten Tag duschten wir die Chemiekeule von unseren Körpern.

Die Bettwäsche und auch das Gewand wuschen wir bis 60 Grad.

Die Krätze ist gar nicht so arg, denke ich mir und war froh so schnell gehandelt zu haben.

In den Gängen meiner Haut, in denen es sich der Parasit häuslich eingerichtet hat und er mich als Wirten auserkoren hat, schliefen die Babys.

Nach einigen Tagen schlüpften diese quasi unsichtbaren Viecha und der ganze Schmorrn fing von vorne an! Wieder zum Arzt. Creme rauf. Alles jeden Tag waschen. Es war Februar und so schnell konnten die Wäscheladungen gar nicht trocknen!

Aber jetzt haben wir es geschafft! Wir waren uns sicher.

Täglich grüßt das Murmeltier is a Schas gegen die besch... Krätze! Wieder kamen die deppaten Viecha aus ihren Wohnungen und hinter liesen ihren Dreck, der wieder zum Juckreiz führte. Nein!

Mittlerweile hatten alle Kinder die Krätze,ihre Eltern, Geschwister und Großeltern!

Ich hatte schon Wochen zuvor gekündigt, weil ich lieber in einer Schule arbeiten wollte als im Kindergarten. Am letzten Arbeitstag hatte ich als Präsent die Krätze bekommen. Andere Pädagogen bekommen Blumensträuße oder Pralinen, ich eine deppate Milbe!

Isolation hieß das Zauberwort um niemanden im Freundeskreis infizieren. Wir erschienen zu keine Partys, auch nicht zum Abendessen bei Freunden. Nur im Park ohne Berührung traf ich mich hin und wieder mit Freunden.

Wieder kamen diese Parasiten. Das Gesicht juckte mir. Total untypisch. Der Arzt konnte sich auch keinen Reim machen. Obwohl diese Milben eher am Nabel, Knie, Brust und andere Körperstellen „wohnen“. Verzweifelt bettelte ich einen Arzt in Graz an, Tabletten gegen diese kleinen Aliens zu bekommen. Er verschrieb sie mir endlich. Die Apothekerin schob mir die Tabletten über den Ladentisch und fuhr mit einem Satz zurück. Sofort desinfizierte sie sich ihre Hände.

Das Gefühl eine "Aussätzige" zu sein machte sich breit. Niemanden wünsche ich die Krätze. Es ist eine Erfahrung, auf die ich gerne verzichten möchte.

Doch jetzt in diesen Wochen denke ich es war ein gutes Training!

© Sternenkind