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Die verruchte Versicherungsvertreterin

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Die verruchte Versicherungsvertreterin | story.one

„Morgen kommt die Versicherungsvertreterin, wegen dem Wasserschaden und der Änderung der Versicherung!“ informiere ich meinen Vater.

„Ja passt“, war seine knappe Antwort.

Pünktlich wie eine Schweizer Uhr läutet die junge attraktive Dame. Mit einem Satz springe ich die Stiege hinunter und öffne ihr die Türe.

Frau Lendl hat ein freundliches Gesicht und dürfte gerade mal fünfundzwanzig sein. Blutjung, tolle Figur, dichtes Haar, strahlendes Lächeln und ein Hauch von Parfum. Sie trägt einen Rock dazu passende elegante Strumpfhosen und eine hübsche Bluse mit einem kräftigen Händedruck machen wir einander bekannt.

Ich bitte sie ins Wohnzimmer, dort packt sie ihren Laptop aus, auf dem sie alle Änderungen der Versicherungen gleich eingibt.

„Waren sie schon einmal hier? Haben Sie meine Mutter gekannt?“ eröffne ich das Gespräch.

„Ja, ich war einmal hier und habe die Versicherung mit ihrer Mutter besprochen und angepasst.“

„Wann war das?“, möchte ich genau wissen.

„Vor drei Jahren“, erklang die junge Stimme.

Wir gehen alles durch und sie fragt mich höflich: “War ihre Mutter krank?“

„Ja", antworte ich.

Dann fuhren wir fort und nach einer Weile sind wir auch schon wieder fertig.

„Ich bringe Ihnen die nächsten Tage die geänderte Versicherung vorbei, wenn sie sie bitte von ihrem Vater noch unterschreiben lassen, dann hole ich sie unterschriebener wieder ab.

„Ich kann sie ihnen auch scannen und schicken.“

Es ist kein Problem ich kann hier sowie so vorbei fahren, wenn ich nach Graz ins Büro fahre.

„Okay gut. Machen wir es so.“, stimmte ich den Vorschlag bereitwillig zu.

Am Dienstag läutet es in der Früh und nachdem ich ein Morgenmuffel bin, schlurfe ich halb verschlafen die Stiegen hinunter. Öffne die Türe und eine Frau in roten Strumpfhosen, langen dunklen Haaren einem dazu passenden Cape und rot bemalten Lippen grinst mich an. Der Umhang hatte etwas Billiges an sich, er war aus einem grellroten Satin Stoff und erinnerte mich an ein spezielles Milieu.

„Guten Morgen Frau K., hier die aktualisierte Polizze wie versprochen.“

„Danke“, stammle ich und bin total irritiert. Wer ist diese Frau?, frage ich mich. Das kann unmöglich die adrette brave Versicherungsvertreterin von Freitag sein.

Aber die Stimme ist die gleiche, das Auftreten so anders und verrucht. Es erinnert ist sehr aufreizend und so gar nicht passend für den Beruf. Eher für einen Nachtclub, da würde es wieder passen. Oder einem Polterabend. Aber so ein Aufzug am helllichten Morgen? Vielleicht war sie ja auch das ganze Wochenende unterwegs und ging gleich ohne sich Umzuziehen in die Arbeit.

Meine Stirn legte sich in Falten und ich nahm die Papiere entgegen. Es hat mir meine Stimme verschlagen und ich musste mein Weltbild neu ordnen, dringend einen Kaffee trinken, um diese krasse Typänderung zu verdauen.

Die taffe Frau durfte meine leicht ablehnende Reaktion bemerkt haben und verabschiedete sich mit einem Lächeln: „Auf Wiedersehen und noch einen schönen Faschingsdienstag!“

© Sternenkind 26.02.2020

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