Heißluftballon-Gruß von Oben

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Heißluftballon-Gruß von Oben | story.one

Ich kann mich gut daran erinner, als ich hinten am Rücksitz im Senf gelben Toyota 1000 saß, während meine Mutter den Wagen lenkte. Plötzlich rief sie mir zu: „Schau, Sonja. Ein Heißluftballon.“ Ich legte die Puppe, die ich in Händen hielt auf die Sitzbank und rückte näher zum Fenster. Durch die Scheibe suchte ich den Himmel nach einem Ballon ab. Dort konnte ich nur ein paar Schäfchenwolken ausmachen.

„Da oben, schau da!“, Freude und Aufregung lag in ihrer Stimme, sie deutete auf einem Punkt hoch oben. Da war das Wunderwerk der Luftfahrt, ein tiefroter Heißluftballon, der majestätisch und wie von Zauberhand in den Lüften hing.

„Wink hinauf!“, forderte mich meine Mutter auf und ich erhob meine Hand zum Gruß, bezweifelte aber, dass mich die Menschen meine Hand sehen könnten. Aber ich schickte im Gedanken einen Gruß hinauf. Und dachte mir still: „Hallo! Wie ist es da oben?“

„Wunderschön und alles sieht so klein aus!“, bekam ich als Antwort in meinen Kopf.

„Siehst du die Menschen, die drinnen sind?“, erkundigte ich mich bei meiner Mama.

„Nein, aber sie sind in dem Korb, siehst du den Korb?“, wollte meine Mutter wissen.

„Ja“, antwortete ich meiner Mutter.

„Das ist ja toll, das wir einen Heißluftballon sehen!“, strahlte meine Mutter wie die Sonne.

„Können wir auch fliegen?“, sang ich aufgeregt.

„Mit dem Heißluftballon fährt man, obwohl es aussieht wie fliegen. Wenn du groß bist, kannst du vielleicht auch einmal damit fahren!“

Für mich war es auch etwas Besonderes einen Ballon zu sehen, vor allem war mein Zeichen im Kindergarten ein Luftballon.

Wie es den Menschen da oben wohl ergeht? Haben Sie gar keine Angst?, sind meine Gedanken.

Über der Erde zu schweben und ein Teil des Himmels zu sein. Wie der Ballon vom Wind gezogen wird und wohl die Erde von dort aussieht?

Der Wagen fuhr die Straße entlang und der Ballon wanderte eine Weile neben uns, bis er hinter einen Berg verschwand. „Ich kann ihn nicht mehr sehen!“, teilte ich traurig meiner Mama mit.

„Vielleicht sehen wir nächstes Wochenende wieder einen. Jetzt ist Herbst und da ist die Saison für Ballone“, versuchte meine Mutter mich zu beruhigen.

„Ja, hoffentlich.“

Wir haben immer wieder mal einen Ballon in den hohen Lüften erspäht. Sie waren immer in verschiedenen Gewändern gekleidet, einmal orange, rot, blau, gelb oder sogar in den Regenbogenfarben. Den Bunten fand ich besonders schön!

Auch meine Schwestern hatten denselben Bezug zu den Ballons. Als unsere Mutter die Erde verließ und davon schwebte da wussten wir.

„Seid nicht traurig, immer wenn ihr einen Heißluftballon seht, dann wisst ihr, dass sich in eurer Nähe bin!“

Letztens als ich bei einer lieben Freundin war, saßen wir am Hügel und beobachteten die Weiten. Da erblickten wir zuerst einen Heißluftballon. Ich freute mich und erkannte das Zeichen meiner Mutter. Dann tauchte ein zweiter auf und noch ein dritter.

Also für jede Tochter ein Ballon! Habe sofort meine Schwestern angerufen und es ihnen erzählt.

Gruß von der Mama!

© Sternenkind