Kino-am Rande der Stadt

?Ein Traum ging in Erfüllung.

Mein Vater nahm mich oft mit ins Kino. So erweckten die unzähligen Besuche das Verlangen, in einem solchen arbeiten zu können.

So kam es, dass ich mit Tom „die Klavierspielerin“ anschauen wollte und wir in das Kino spaziert sind. Als wir so in der Schlange standen kam mir die Idee, nach einem Job zu fragen. Da ich zu dieser Zeit studierte, war ich es gewohnt, kleinen Nebenjobs nachzugehen.

"Frag einfach!", forderte mich mein Kumpel auf.

Als wir an der Reihe waren und wir die Karten lösten, nahm ich allen Mut zusammen und erkundigte mich nach einer freien Stelle.

Die Kassiererin sprach in ihr Walkie Talkie und teilte mir mit, ich sollte mich auf die Seite stellen, der Theaterleiter werde bald kommen.

Theaterleiter?

Jetzt waren wir schon im Theater; lustig. Ich freute mich sehr, wir warteten eine Weile. Der Lichtspieltheaterleiter erschien mit seiner Assistentin und wir unterhielten uns. Nach einer Weile lachten wir auch. Er war ein sehr intelligenter und sarkastischer junger Mann. Die Assistentin sah sehr freundlich aus und hatte wunderschöne Korkenzieher Locken. Fürs Probearbeiten werde ich mit Kinokarten bezahlt. Und dann nehmen sich mich gerne, wenn es passt.

Die Einschulung war sehr interessant und ich bekam den Job. Auch wenn ich lieber an der Kassa gearbeitet hätte. Mir wurde aber versichert, falls es dort einen Job gäbe, würde er mir dann angeboten. Die Kunden waren nett und als Zugabe konnte ich zwei mal pro Woche einen Film anschauen.

Das war die beste Bezahlung!

Ich liebte es immer schon, ins Kino zu gehen und jetzt konnte ich es gratis machen. Eigentlich waren keine Getränke und kein Popcorn inkludiert, aber wenn ich nett fragte, bekam ich es dennoch. So sahen ich und auch meine Freunde jeden Film, der gespielt wurde.

Mit der Zeit begann ich mir auch Filme anzusehen, die ich sonst nicht angeschaut hätte. Um keine lästigen GIS- Gebühren zu zahlen. Mein Fernseher war die große Leinwand, mein Wohnzimmer der Kinosaal und das Foyer. Da war immer etwas los. Es gab viel zu lachen und ich hatte das Gefühl, am Puls der Zeit zu sein.

Die Zeit im Kino war eine ganz besondere, meine KollegInnen waren meist Cineasten, so ergaben sich immer wieder interessante Gespräche.

Einige meiner Kollegen hatten Erfahrung als Statisten in diversen Filme gemacht. Sogar bei dem Blockbuster:" Die vier Musketiere."

Ein anderer arbeitete zuvor als Filmvorführer in einem Autokino. Er erzählte uns, dass er bei einem Set mit Louis De Funes zusammen gegessen hatte.

Ich lauschte gespannt den Geschichten und in meinen Inneren lief ein Film ab.

Freitag oder Samstag Abend saßen wir oft, nachdem der letzte Film vorbei war und die Besucher nachhause gegangen waren, zusammen.

Auch heute noch besuche ich gerne das Kino, muss aber zugeben, eher selten. Wenn ich jedoch ein Kino betrete, überkommt mich ein Gefühl von Heimat.

Gerne erinnere ich mich an die Zeit im Lichtspieltheater.

Mal schauen, was wird denn heute im Kino gespielt?

© Sternenkind