Leben im alten Rom

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„Ihr müsst euch vorstellen, Thermen waren der Treffpunkt und Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens! Die alten Römer sind oft in die Therme gegangen. In unteren Gängen haben die Sklaven eingeheizt und haben für den reibungslosen Ablauf gesorgt.“

Es war Lateinstunde im Oberstufenrealgymnasium der Schulschwestern in Graz-Eggenberg. Wir klebten förmlich an den Lippen der Professorin, die sicher selbst im alten Rom gelebt haben muss, so wie sie erzählte. Sie muss live dabei gewesen sein! So lebhaft und detailreich waren ihre Schilderungen!

Jedes einzelne Wort, jeder Satz, ließ uns kleine Lateingruppe von 14 Personen immer weiter in die Geschichte der alten Römer eintauchen. Die Reise ging zu Schauplätzen mit politischen Inhalten und wir waren mitten im Senat, dann waren wir bei Hannibal und seinen Elefanten und ritten auf diesen über die Alpen. Das passierte vor über 2000 Jahren. Da spazierte er einfach mit seiner Armee über die Berge. Faszinierend!

Die Metamorphosen von Ovid zogen mich in ihren Bann und ich wollte mich beinahe auch in eine Blume oder in ein Reh transferieren. Narziss wurde in eine Krokusblume verwandelt. Der Arme war aufgrund einer Bestrafung von Zeus‘ Frau Hera unsterblich in den Jüngling, den er im Teich entdeckt hatte, verliebt. Es war aber nur eine Spiegelung seiner selbst und so konnte er den hübschen Mann nie berühren. Immer wenn er ins Wasser tauchte, um die Hand des knackigen Mannes zu berühren, schlug es Wellen und das Bild verzerrte sich. Echo, die Narziss im Wald erspähte, verliebte sich sofort in diesen. Leider wurde sie von ihm nicht beachtet, denn er hatte nur Augen für den Jüngling. Sie war so traurig, dass sie nichts mehr aß. Sie hatte auch einmal Zeus‘ Frau von einem Techtelmechtel des Göttervaters, dem Chef höchstpersönlich, abgelenkt; er hatte immer gerne Abenteuer mit schönen Frauen. Echo, die zuvor so redegewandt gewesen war und mit ihren Worten ablenkte hatte, wurde bestraft. Sie konnte nur mehr die letzten Worte wiedergeben. Nachdem sie aus Liebeskummer nichts mehr zu sich genommen hatte, wurde sie zu Gestein und nur ihre Stimme blieb. Deshalb kann man sie noch immer hören.

Ich war zutiefst berührt, die arme Echo tat mir leid und gleichzeitig erkannte ich eine alte Bekannte wieder. Habe ich doch ihre Stimme, ihr „Phänomen“ bereits als Kind kennengelernt! Als ich mit dem grünen Puch-Stützrad unter einer Unterführung durchradelte und Echo meine gesprochenen Wörter, zurückgab. Verwundert blickte ich herum und war verwundert, wer hier spräche und meine Mutter erklärte mir: „Das ist das Echo!“

Vielen Dank, dass ich Deutsch durch Latein viel tiefgründiger erfahren durfte und meine Interesse in Bezug auf diese Stadt!

Rom, du Stadt der Städte, durch einen sechs Monate langen Sprachaufenthalt 2015 hatte ich die einmalige Gelegenheit, meinen Hunger nach DIR zu stillen.

© Sternenkind