Ohne Strom- ka Radio!

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Ohne Strom- ka Radio! | story.one

Als ich bei meiner Cousine auf 900 Meter Höhe in Semriach auf Besuch war, übernächtigte ich gleich bei ihr. Schließlich wohnte ich zu der Zeit in Wien und genoss die Auszeit von der Stadt. Während der Nacht gab es so einen heftigen Sturm, dass ich aufwachte und wirklich Sorge um das Dach hatte beziehungsweise, dass ein Baum auf das kleine Häuschen fliegt. Da betete ich und schlief wieder ein. Am Morgen heizte Melanie den Holzofen ein und als ich das Licht in der Küche anmachen wollte, funktionierte es nicht. Die Birne hat sicher ihren Geist aufgegeben, dachte ich mir. Wir wollten Wasser kochen um einen Kaffee zuzubereiten, aber leider bemerkten wir jetzt erst, dass der Strom nicht funktionierte.

„Der FI-Schalter wird gflogn sein!“, vermutete Melanie und schlurfte in den Korridor um ihn wieder einzuschalten.

„Es geht no imma net!“, jammerte ich, mein Kaffeeverlangen steigerte sich von Minute zu Minute.

„I versteh des net. Do muß an Stromausfall gebn hob. Wort i scholt des Radio ein.“, murmelte sie und wie sie das Radio einschalten wollte, kam es ihr in den Sinn.

„Des geht jo a nur mit Strom!“

„Echt? Hast du keine Batterien?“

„Doch aber des geht nur mit Strom!“, klärte sie mich auf.

" Jo des is schu klor, dass es nur mit Strom geht!"

" Ach so , na i man des hot nix für Batterien. Des geht nur mit Kabel."

"So a Schas! So a Klumpat! I man genau a Radio, des braucht man im Notfall! Also im Ausnahmezustand und denn ho ma jetzt da!"

„Schauen wir im Internet nach!“, kam der Geistesblitz meiner Verwandten und auch das war lahm, sogar die mobilen data am Handy.

„ Do muss wos grewares passiert sein.“, stellte meine drei Jahre jüngere Cousine fest.

„Ruf deine Mama an und frag was los ist!“, forderte ich sie auf.

Sie zückte ihr Handy, wählte und nichts geschah.

„Des geht a net!“ Das Netz funktioniert net. Die Leitung ist tot!“

"Wort i probier mit meinem.", fachsimpelte ich und auch bei meinem Netzanbieter war tote Hose.

„Na klass. Jetzt sitz i do fest", kam es der Stadtpomeranze. "Wenigstens hast an Holzofen da können wir ja Wasser am Herd heiß machen und einen Kaffee kochen!" Wir tranken Kaffee und saßen im warmen Häuschen. Es war beinahe unheimlich und ungewohnt ohne Musik. Die Ungewissheit was passiert war am Berg ohne Auto fest zu sitzen ohne funktionierender Informationsquelle war für uns ein eigenartiges Erlebnis. Die Zeit schien still zu stehen. Da wurde mir bewusst, wie sehr wir durch unsere gute Stromversorgung verwöhnt waren und auch angewiesen darauf sind. Nach ein paar Stunden des Wartens, kam Oma mit dem Wagen.

„Es ist a riesiger Sturmschaden. Gounz vüle Strommastn hots umgahut und in Graz is sogar a Doch owi gflogn und anige Bama hots umgrissen. Die Strossn san blockiert. Die Bam liegn mittn im Weg! Wie durch ein Wunder ist niemanden etwas passiert! Hinter mir is a a Baum umgflogn! Des wor knopp.", erzählte uns Oma.

" Ja ich habe auch Angst gehabt, dass ein Baum auf das Haus fliegt. Wir wurden aber beschützt, das weiß ich!“, teilte ich meiner Verwandtschaft mit.

© Sternenkind