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Oma am Sandlerball

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Oma am Sandlerball | story.one

Unsere Diskooma war eine geborene Fasching. Ja kein Scherz. Das war ihr Familienname und Nomen est gleich Omen. Sie war immer für Schabernack und Verkleidungen zu haben. Der Sandlerball eine Veranstaltung der besonderen Art in Gratkorn.

Oma warf sich ins Zeug, also in die Fetzn und schminkte sich braun mit Flecken. Zerrissene Schous (Rock) und löchrige Bluse. Natürlich durfte der Sandlerschmuck nicht fehlen und so hängte sie sich passend zum Outfit eine billige Kette um. Ein Handtascherl, das schon sehr ramponiert war, hängte sie sich um. Erfinderisch wie sie war, schrieb sie auf eine Pappschild "Spende für die Sandlerin" und ein großes „Danke“ mit drei Rufzeichen. Dann stach sie mit der Schere zwei Löcher hinein und zog einen Spagat durch. Ein paar Zähne lackierte sie schwarz und die Haare toupierte sie sich auf. Ein paar Blätter und Stroh ins Haar gesteckt. Gott sei Dank fand sie eine alte Strumpfhose mit einer fetten Laufmasche, die zog sie über ihre hübschen Tanzbeinchen.

Die Fingernägel lackierte sie grün, die Farbe mochte sie sehr gerne. A bisschen Rouge und Lippenstift durften auch nicht fehlen.

Beim Ball fiel sie erstens durch ihr Outfit auf und zweitens durch ihren fröhlichen Tanzstil.

Sie tanzte mit den Männern im Saal und forderte auch meinen Onkel auf. Nachdem Tanz zeigte sie auf ihr Schild und öffnete ihr Täschchen. Die lustigen und schon angeheiterten Steirer waren nicht geizig und gaben der Verkleideten eine Spende. Mit der Zeit klimperten nicht nur mehr ihr charmanter Wimpernaufschlag, sondern auch die gut gefüllte Handtasche!

Es gab drei Preise zu gewinnen für die beste Kostümierung. Der erste Preis war ein großer Geschenkskorb der prall mit lokalen Gaumengenüssen gefüllt war. Kernöl, Nudeln, Marmeladen, Honig und Hauswürste ragten aus dem Körberl.

Ein Mann, der die Aufgabe des Moderators hatte, schritt auf die Bühne. Die Musikanten verstummten und es wurde leise im Saal. „Liebe Sandler und Sandlerinnen! I mecht jetzt die Gewinner herausbitten. Als dritten Platz Frau O., als zweiten Platz Herr M. Für den ersten Platz die beste Kostümierung bitte die Sandlerin mit dem Schild!"

Der Saal tobte und die Männer applaudierten, Jung und Alt fanden die lebenslustige Sandlerin spitze! Es wurde laut gepfiffen für unsere pfiffige Diskooma! Oma schob sich durch den Saal und hüpfte auf die Bühne. Man konnte sehen, dass sie ihren Auftritt genoss.

„Gratuliere!“, gab der Veranstalter von sich und überreichte ihr den Preis.

Oma strahlte über beide dreckigen Ohren und ihre Zahnlücken blitzten auf. Sie erzählte mir oft vom Sandlerball und dass sie nicht einmal ihre Verwandtschaft erkannt hat. Niemand hat sie erkannt. Sie hielt ihre Verkleidung bis zum Schluss durch.

Als ich bei meinem Onkel Hansi Milch holte, erzählte er mir, wie lustig der Abend war und dass selbst er sie nicht erkannte!

© Sternenkind 22.05.2020

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