Oma die Kriminöle

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Oma die Kriminöle | story.one

„Guten Tag hier spricht die Polizei Gratkorn sind sie Frau K.?“, erschallt eine Männerstimme aus dem Smartphone meiner Schwester.

„ Ja, das bin ich“, seufzt meine Schwester in das Mikrophon. Was ist denn jetzt los , denkt sie sich.

„Sie sind geladen, weil ihr Nachbar eine Anzeige gemacht hat. Ihre Großmutter hat in einer Nacht und Nebel Aktion seine Thujen radikal abgeschnitten. Ihnen gehört das Grundstück stimmt das?“

„Ja, das ist meines.“

„Zur Klärung, erscheinen sie bitte am Dienstag um 10:00 bei uns am Posten“, ordert der Schandi ah der Polizist.

„Okay, bis Dienstag auf Wiederhören“, flötet meine Schwester ins Telefon.

„Danke und auf Wiederhören“, verabschiedete sich der Beamte förmlich.

Am Posten in Gratkorn findet sich meine Schwester am vereinbarten Termin ein.

„Herr X ist zu uns gekommen, weil seine Thujen total zurückgeschnitten wurden und die Pflanzen dadurch Schaden genommen haben“, klärt der uniformierte Polizist die junge Grundstücksbesitzerin auf.

„Meine Oma hat die Pflanzen deswegen zurückgeschnitten, weil sie 1, 5 Meter weit in mein Grundstück ragten und das auf einer Länge von 100 Meter. Das ergibt einen Verlust von 150 Quadratmeter.“

„Ja, das ist viel, aber hätte man das nicht anders klären können?“, stichelte der Bedienstete nach.

„Wir haben es versucht und der Nachbar war nicht daran interessiert. Deshalb hat meine Oma die Initiative ergriffen und mit der Heckenschere alles abgeschnitten was über den Zaun herüberragte, bevor es verjährt.“, erklärte Bea.

„Wir werden uns selbst ein Bild davon machen um den Sachverhalt zu begutachten und zu dokumentieren. Vielen Dank, dass sie gekommen sind. Wir werden sie verständigen.“, entließ der Polizist die junge Frau.

Ein paar Tage später erschien ein Polizeiwagen und die zwei Beamten stiegen aus. Bewaffnet mit einer Digitalkamera und einen Notizblock sowie einen Kugelschreiber betraten sie das Grundstück und machten professionelle Aufnahmen von der abgeschnitten Thujenhecke. Am Grundstück war ein großer Haufen Thujenäste, also Beweisstücke des präsenten Kriminalfalles.

Nach wenigen Minuten der Inspektion und akribischen Dokumentation des lebendigen Zauns, zogen sie wieder ab und ein paar Wochen später, wir wissen alle die Mühlen mahlen langsam, flatterte ein Brief ins Haus.

Der Fall ist ad acta gelegt worden.

Daraufhin startete im Gegenzug eine Nacht und Nebelaktion des Nachbarn. Er erhöhte seinen Zaun weit über das erlaubte Maximum und oben drauf zog er einen Stacheldrahtzaun! Diese sind seit langen wegen des hohen Verletzungsrisiko in Österreich verboten!

Für das, dass es sich lediglich um eine Fischerhütte und einen Fischerteich handelt, beschützt er es als wäre es Fort Knox!

Wer weiß, welche Fische der im Teich hat, vielleicht sind es ja sauteure Koi oder ein paar seltene Haie!

Komischerweise versteht sich meine Schwester nicht sonderlich gut mit dem Wochenendnachbarn.

© Sternenkind 02.05.2020