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Pandemiebrecherliebe

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Pandemiebrecherliebe | story.one

Ich betete für einen Mann, den ich nicht kannte. Dessen Frau und Tochter sind an Krebs gestorben. Die Mutter verließ die Erde mit nur 45 Jahren und hinterließ eine Lücke in ihrer Familie.

Ingrid, eine ehemalige Schulkollegin, las auf Facebook über den Verlust und begann zu beten. Während des Gebets sah sie die Verstorbene, die ihr sagte, mich dem Ehemann vorzustellen.

Ich war frisch getrennt von meiner vierjährigen Beziehung und hatte kein Interesse, einen neuen Mann kennenzulernen. Jürgen war seit erst zwei Monaten Witwer.

Als Ingrid ihm von mir auf Whatsapp schrieb, wollte er auch alleine bleiben. Die ehemalige Schulfreundin lies nicht locker! Beharrlich motivierte sie ihn und mich, uns via Facebook kennenzulernen. Zu tiefst war ich verletzt von meinem ehemaligen Freund, der sich entschied, alleine zu bleiben als mit mir das Leben zu verbringen.

Für Jürgen, der seine Tochter zu versorgen und Vollzeit eine große Verantwortung als Abteilungsleiter zu tragen hat, war die Krankheit seiner Frau emotional eine Herausforderung. Er musste alles selbst unter Dach und Fach bringen und war sich deshalb noch nicht ganz sicher, ob es die richtige Zeit sei, eine neue Frau kennenzulernen.

Aber Ingrid ließ nicht locker.

So schrieben wir in der ersten heißen Phase vom Lockdown miteinander, telefonierten und trafen uns heimlich als Pandemiebrecher. Wir waren sofort ein Herz und eine Seele!

Wir spazierten beim ehemaligen Kohlebergbau, das jetzt ein Erholungsgebiet ist. Ein großer, fescher Mann an meiner Seite, der meine Hand in seiner hält. "Setz ma uns kurz hin.", äußerte ich und zeigte auf ein Stückchen Wiese am Hügel. Ich schmiegte mich an ihn und schütte ihm mein Herz aus. „Bist du dir sicher, dass du nicht noch Zeit brauchst, um alles zu verarbeiten? Ist es nicht zu früh? "

„Sonja, ich hatte genügend Zeit, um mich von meiner Frau zu verabschieden. Das Leben geht weiter!“

„Natürlich dreht sich die Welt weiter, aber irgendwie fühle ich mich wie ein Fremdkörper. Darf das denn so früh sein? Was werden die Leute denken?“

Am wichtigsten war uns beiden seine Tochter. Wie wird sie auf mich reagieren?

„Wirst sehn, mei Tochter wird di megn! Do moch i ma kane Surgn!“

So war es dann auch. Als Clara heimkam und ich bei ihm war, kannte sie mich schon vom Telefonieren und Schreiben. Mein Herz schlug schneller und ich war aufgeregt. „Hallo! Wo wohnst du?“ - „In Gratkorn.“ „Ist das weit weg?“ - „Ja schon.“ „Magst du bei uns schlafen?“, erkundigte sie sich mit ihrer hellen und aufgeweckten Kinderstimme.

„Wenn es dir recht ist?“ - „Ja sicher. Wennst kan Pyjama host, musst holt nockat schlofn!“, kam aus ihrem Kindermund. Jürgen und ich schauten uns an und lachten. Zudem saß auch der Vater von Jürgen auf der Terrasse und hörte zu.

„Ich glaube, ich habe zufällig einen Pyjama im Auto!“, flunkerte ich mit dem zufällig.

Sie freute sich und lief zum Opa. „Opa, die Sonja schloft heit bei uns!“

© Sternenkind 14.06.2020

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