Pfeilwurf im Kino

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Pfeilwurf im Kino | story.one

Zu dieser Zeit brach gerade das Herr der Ringe Fieber aus und wir spielten natürlich die geniale Saga des Herrn Professors Tolkien. Also unser Kino im Gasometer war sehr gut besucht und dementsprechend hatten wir alle viel zu tun. Wir waren voll ausgelastet und taten unser bestes für einen reibungslosen Ablauf.

Da ertönte ein Funkspruch:“ Saal 4 an Vorführung!“

„Vorführung hört!“, funkte Gernot durch.

„Im Saal 4 gibt’s einen Pfeilwurf.“, meldete der Stefan der Billetteur.

Unser Vorführer machte sich auf zum Saal.

Er musste zuerst durch viele Gänge laufen und dann mit den Lift auf eine andere Ebene fahren bis er endlich den gewünschten Vorführraum erreichte. Dort warf er einen Blick durch das Fenster der Filmvorführung. Von hier aus hatte er den ganzen Saal in Blick. Der Saal war mit Jungen und Alten Fantasy Fans gefüllt, die gespannt das Gesehen verfolgten. Auf der großen Leinwand wie Legolas also Orlando Bloom gerade mit Pfeil und Bogen unterwegs war und einige Pfeile schoss.

„Der Billetteur is a Trottel. Ganz dicht kann der net sein.“ seufzte der Vorführer, nachdem er extra zum Saal gerannt war. Er hatte noch viele Filme zum Einlegen und keine Zeit für solche Spinnereien.

Die Filmrollen für Herr der Ringe wogen fast 9 kg und er musste sie oft von Vorführraum zum anderen Vorführraum schleppen. Zusätzlich immer darauf acht geben, dass sie schön aufgespielt wurden. Bei so langen Filmen stellte sich das wirklich als echte Herausforderung heraus. Selbst Gernot, der schon lange als diese Arbeit machte, war schon etwas erschöpft. Da ertönte wieder ein Funkspruch: „Vorführung bitte!“

„Ich kann net funken, wenn i den schweren Film trage.“, schimpfte er völlig entnervt.

Als er im Vorführkammerl ankam, legte er den Film ein.

„Vorführung hört!“, stöhnte der Mann ins Walkie-Talkie.

„Es fliegen schon wieder Pfeile im Saal“, ertönte die verzweifelte Stimme des schüchternen Billetteurs.

„Net schu wieder. Ma der geht ma am Orsch. Wos wü der schu wieder?“, fluchte er.

„Herr P. das ist Herr der Ringe und da fliegen Pfeile! Das sind die Waffen der Elben!“, schrie er ins Funkgerät.

„Vorführung bitte kommen Sie in den Saal 4 und sehen sie selbst!“, erklang die bettelnde Stimme des Kartenabreissers.

„Ja, mach ich, wenn ich den 3er und den 6er Saal eingelegt hab.“,willigte unser Filmvorführer ein.

Zwanzig Minuten später betrat der Vorführer den Saal und traf auf den Billetteur. Niemand schoss mit Pfeilen. Weder die Elben auf der Leinwand noch die Gäste. „Wenn ich s dir sage da haben welche mit Pfeilen geschossen!“, beharrte unser Kollege. „Wer wird den im Kino mit Pfeilen schießen?

Als der Film zu Ende war und alle Besucher den Saal verlassen hatten, machten sie sich zu Zweit auf die Suche nach Beweisen. Nachdem keiner die Vorführung mit einer Armbrust oder sonstigen Pfeil und Bogen verließ, zweifelte unser Kollege noch immer an der Wahrnehmung des Hr.P.

Da lag ein gelber Dartpfeil direkt unter der Leinwand! Sogar ein Loch war in der Leinwand zu sehen!

© Sternenkind