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Selbstgemachte Pommes Frites

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Selbstgemachte Pommes Frites | story.one

Oft hatten wir am Ende des Monats einen leeren Kühlschrank, leider war das Portemonnaie meiner Eltern ebenfalls gähnend leer.

„Bald ist der erste des kommenden Monats, dann haben wir wieder Geld. Die vier Tage müssen wir irgendwie durchkommen!“, war die Ansage meiner Mutter. Das war ich gewohnt und motivierte mich, wenn das Geld da ist, gibt es wieder allerhand Süßigkeiten und einen halbwegs vollen Kühl- und Vorratsschrank.

Ich war gerade mal sechs Jahre alt als mein Onkel Peter, der Bruder meines Vaters, uns einen Besuch abstattete. Es war Ende des Monats und wir waren nicht auf Besuch eingestellt. Ich denke auch, dass für meinen Onkel der Ausdruck „Ende des Monats“ bedeutete, knapp bei Kasse zu sein. Aber meine Mutter war eine begnadete und leidenschaftliche Köchin und konnte quasi aus Nichts etwas zaubern.

„Sonja, lauf runter in den Keller und hole ein paar Kartoffeln rauf. Nimm aber die großen!", forderte mich meine Mutter auf.

Wir wohnten in einer alten Villa gegenüber der Papierfabrik. Am Abend war es in den alten Gemäuern recht gruselig, besonders im Keller.

„Mama, ich habe Angst.“

Mit den Worten „Aber jetzt lauf schon, ich mache uns leckere Pommes.“, versuchte es meine Mutter erneut.

Natürlich lockten mich die knusprigen Kartoffelstäbchen, aber der uralte Keller jagte mir Angst ein.

„Geh jetzt endlich. Das Öl wird schon heiß!“, befahl sie mir eindringlich und drückte mir einen Korb in die eine Hand und den Schlüssel in die andere. Augen zu und durch dachte ich mir, und lief die Stufen hinunter. Hastig sperrte ich das Vorhängeschloss auf und öffnete die Tür zu unserem Kellerabteil. Schnell schaufelte ich die Kartoffeln in den Korb und rannte wieder die Stufen zur Wohnung hinauf.

"Die erste Partie ist gleich fertig!“, äußerte sie, während sie das Gitter mit den schwimmenden Fritten aus dem Topf holte. Sie ließ es zuerst abtropfen und dann schüttete sie die Kartoffeln auf den Teller, der mit Klopapier austapeziert war. Das war 1985 und die Küchenrolle war noch nicht erfunden oder einfach viel zu teuer.

Zum Schluss noch eine Prise Salz draufstreuen und eine Portion Ketchup dazu. Das beste Essen aller Zeiten war angerichtet! Ich hatte die Ehre, die ersten Pommes zu bekommen, nachdem ich die Kellermission erfolgreich ausgeführt hatte.

Meine Mutter wusch die erdigen Kartoffeln ab, schälte sie und schnitt sie zuerst in Scheiben und dann in Stifte. Ich beobachtete sie und fand es großartig, wie sie aus so wenig so eine tolle Speise zauberte. Innerhalb der nächsten Stunde frittierte sie so viele Pommes Frites der Reihe nach. Mein Vater und mein Onkel genossen sie genauso wie ich. Auch meine Mutter konnte sich von diesen leckeren Pommes nicht satt essen. Die ganze Wohnung verwandelte sich in ein 5 Sterne Restaurant und der exquisite Duft der Wunderspeise umgarnte uns. Dank der leckeren Kohlenhydrate waren wir alle wohl auf und rundum zufrieden. Es wurde geplaudert. Und ich ... ich war völlig happy und legte mich gestärkt ins Bett.

© Sternenkind 2020-06-30

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