Senatorin in der Backstube

  • 217
Senatorin in der Backstube | story.one

Gerade als ich das heiße Blech aus dem Ofen holte und am Marmortisch zum Abkühlen legte, staunte ich nicht schlecht.

Ich fühlte mich blitzartig im Film Men in Black. Sechs Bodyguards in tiefschwarzen Anzügen mit schwarzer Sonnenbrille befanden sich in unserer kleinen cremefarbigen Backstube!

Einen größeren Kontrast konnte man gar nicht herstellen. Sie waren sehr kantig und viereckig hingegen zu unseren verschnörkelten und weißen Sesseln und Regalen.

Sofort wurden alle Türen und mögliche Fluchtwege inspiziert. Auch ich scannte die Backstube mit meinen Blick ab um zu verstehen was hier im Gange war. Da fiel mir eine sehr teuer gekleidete Lady im roten Trenchcoat auf, die mit zwei Kindern hier war. Eine Fönfrisur, wie sie nur Amerikanerinnen haben und sie stellte sich persönlich bei mir vor.

Dann erkundigte sie sich, ob sie exklusiv die Backstube haben könne, hier und jetzt!?

„Äh nein – it‘s pubblic!“

Daraufhin schoben sich zwei bis drei Bodyguards zwischen die Amerikaner und den Rest der Welt, äh der Backstube – eine Mauer um sie abzuschirmen.

Zwei hielten Wache oben beim Eingang ins Restaurant und beim Stiegenabgang.

Die Kinder stachen seelenruhig ihre Butterkekse aus dem Teig aus und verzierten ihr Lebkuchenhaus mit Glitzerperlenlichterketten in amerikanischer Manier.

Frau Senatorin half mit und somit hatten sie ein wunderschönes, kaiserliches Backstubenerlebnis.

Fein säuberlich packte ich ihnen ihre gebackenen Kekse und ihr Häuserl ein und wünschte ihnen

und ihren Cyborgs: “Merry Christmas!“

„Thank you very much!“, kam es überschwänglich und herzlich zurück und sie zog mit ihrem maschinellen Anhang ab.

Der amerikanische Zauber war vorbei und es kehrte wieder Bodenständigkeit und Biedermann in die Backstube ein.

© Sternenkind