sunny side up-ice-cream

Im Sommer schmeckt frisches kühles Eis am Besten!

Das war zumindest das Motto meines Vaters, so ereignete sich im Juni 1987 folgender kulinarischer Exkurs:

In der Grazer Innenstadt beim Elektrogeschäft seines Vertrauens, erwarb mein Vater eine Eismaschine.

Als er uns verkündete, er bringe eine Eismaschine mit nach Hause, wunderte ich mich, wie sollte er so ein riesen Teil auf seinem blauen Rennrad transportieren?

In meiner Vorstellung imaginierte ich eine riesige Eis Maschine, so groß wie ein Kasten mit Hebel daran aus denen man verschiedenen Sorten Eis zapfen konnte!

Das Wunderwerk entpuppte sich aber als eine Schuhschachtel kleines Eis Maschinchen. Sie war sehr simpel, ein Küchengerät eben.

In den darauf folgenden Tagen experimentierte mein Vater was das Zeug hielt. Es wurde in der Küche wie wild hantiert, gerührt und nicht zu letzt auch gekostet.

Keine Frucht war mehr sicher vor der Eismaschine, alle Früchte wurden zerkleinert, zerhackt, zerschnitten und mit Milch und Zucker vermengt.

Wir fuhren ins Erdbeerland und prockten frische saftig rote Erdbeeren, aus ihnen braute mein Vater leckeres Erdbeereis.

Der selbst ernannte Eiskonditor, nahm zwei große Hühnereier aus dem Eierkarton, schlug sie auf und vermengte sie mit der Flüssigkeit die ihre Farbe in ein kräftiges Gelb färbte.

"Warum gibst du Eier ins Eis?" erkundigte ich mich skeptisch mit gerunzelter Stirn und hoch aufgezogene Augenbrauen.

„ Steht so am Rezept. Hier seht: zwei Eier.“ las er schulmeisterhaft vor und deutete auf die Zeile am Rezept.

Mir kam das sehr spanisch vor, wollte aber nicht zu voreilig sein. Außerdem wollte ich auch eine Kugel Eis abstauben und nicht dem Meister in die Quere kommen.

Es dauert ganze eineinhalb Stunden, eine gefühlte Ewigkeit für ein junge Nachkatze wie ich es war.

Die Katze lauerte in der Küche und ließ die Maschine und das leicht gefrorene Eis nicht aus den Augen. Der Rühr-Stab zog unermüdlich seine Runden bis das Eis endlich kristallisiert war.

Der selbsternannte Eis-Ingenieur, teilte das Eis großzügig auf.

"Endlich!" schnurrte das Kätzchen.

Ich kostete einen Löffel von dem etwas zu gelb geratenen Vanilleeis...und spuckte es reflexartig sofort aus.

„Wah! Pfui Spinne!

Das schmeckt voll grauslich!“ rief ich entsetzt.

„Das schmeckt nach 'Hühnerei und nicht nach Vanille! Warum sagst du nicht gleich es gibt Eier-Eis." forschte ich.

Meine Eltern aßen mit verzogenen Gesicht das Eis. Mein Vater nur weil er es fabriziert hatte und er zu stolz war um zuzugeben das es, entschuldigen Sie meine Ausdrucksweise "Scheiße" schmeckte. Seine Gattin also meine Mutter,-gelernte Köchin, nur ihm zu liebe.

„ Darf ich ein Erdbeereis haben?“ miauzte ich.

„ Du isst zuerst das Vanilleeis !“ befahl der Meister.

Na super- dachte ich mir. Trick 17 : Eis in den Mund -Toilette. Ich entledigte mich oral des well-done oder soll ich eher sunny side up- ice cream ,sagen?

Das Erdbeereis schmeckte Gott sei Dank, nach Erdbeeren und nicht nach Ketchup!

© Sternenkind